Meine Kommissare

Wolfgang Bortlik: Basel

Blutrhein

Blutrhein

Der Autor ist in München geboren, lebt aber mit Unterbrechungen seit 1965 in der Schweiz. Das war klar. Das hatte ich mir schon gedacht. Diese Sprache! Dieses Vokabular. Das ist Schweiz pur. Mittlerweile ich durch das Lesen zahlreicher Krimis ein Gefühl für die regionale Herkunft der Sprache entwickelt. Es ist schon spannend, Deutsche, Schweizer und Österreicher, sie alle sprechen deutsch, aber ein jeder in seiner unverkennbar ländertypischen Auslegung. Ich meine damit nicht den Dialekt, sondern Wortschatz, Satzbau und (das betrifft Schweizer und Österreicher) die weitgehende Vermeidung von Anglizismen.
So, von hier an sprechen wir über den rätselhaften Mord an dem beliebten Basler Regierungsrat Carl Felix Burckhardt, Mitglied der Exekutive und Vorsteher des Bau- und Verkehrsdepartements der Stadt Basel.
„Karl“, wie er von seinen sozialdemokratischen Parteifreunden genannt wird, wird leider nur eine kurze Rolle zugestanden. So wichtig er in der Politik zu sein scheint, er schafft es nur bis zur Seite 13.
Die Frage nach dem Täter soll Kriminalkommissär Franz Gsöllpointner, von Freunden und vertrauten Kollegen kurz „Bulle Roth“ genannt. Der aus dem oberbayrischen Isartal stammende unverbesserliche Fan des FC Bayern München ist ein enger Freund von Fischer, stets nur Fischer genannt. Dieser Fischer ist literarisch höchst bewandert, spielt leidenschaftlich gern Fußball (jeden Mittwochnachmittag), vertreibt sich am liebsten die Zeit mit Auf-seinem-Futon-liegen und Plänen für eine Laufbahn als Krimiautor. Seine gedanklichen Ausflüge in die Welt der einschlägigenen Literatur bieten reichlich Vorlagen. 
Da er der eigentliche Protagonist des Buches ist, hat er eine wörtlich wiederzugebene Beschreibung seiner Person verdient: „ Fischer Melchior, geboren an einem Donnerstag im September 1958, Kulturschaffender und Lohnschreiber, momentan tätig als Buchhändler. In all seinen Aktivitäten eher erfolglos, aber immerhin erfolgreich geschieden, zwei Kinder auf der Schwelle zum Erwachsenwerden, Rebecca und Tim. Derzeit liiert mit Maria Casaramone, wohnhaft im minderen Teil der Stadt Basel.“ 
Der Leser nimmt intensiven Anteil am Leben und Liebesleben von Fischer. Dieser unternimmt gelegentlich kühne und weitschweifige Ausflüge in die Welt der Literatur, allein oder mit einem Gleichgesinnten, versinkt aber ebenso gern in Marias Armen, wenn sie mal Zeit hat, spielt aber am liebsten Hobbydetektiv. Hätte er eine Lizenz zum Ermitteln, man möchte ihm diese zum Selbstschutz entziehen. 
Es ist dieser eine Satz, der seinen Wissensvorsprung im Fall des ermordeten Regierungsrates klar zum Ausdruck und seinen Freund Bulle Roth sprachlos macht: „ Reg dich ab, Bulle. In der Wohngemeinschaft, in der meine Exfrau gewohnt hat, in den späten 1980er-Jahren, da hat auch Hubert Hornfeld gewohnt. Ein äußerst unangenehmer Typ übrigens.“ 
Fortan gräbt Fischer in seiner eigenen Vergangenheit. Und das erfolgreich, denn hier kennt er sich aus. Doch ist feines Gespür und wohlüberlegtes Handeln (leider) nicht Fischers Sache. Und so kommt es wie es kommen muss. Fischer ist weder Held noch Supermann. Er möchte auch keines von beiden sein. Er möchte einfach nur graben, ermitteln, aufspüren und einen Fall aufklären. 
Blutrhein ist für Freunde Basels eine vorzügliche Lektüre, für Freunde der deutschen Sprache ohnehin und natürlich für Freunde anspruchsvoller Krimiliteratur. 
„Wolfgang Bortlik (geboren 1952 in München) ist Autor, Kritiker, Übersetzer und Musiker. Er schreibt wöchentliche Kolumnen, Sportgedichte, Satiren und Rezensionen. Bisher veröffentlichte er 6 Romane sowie den Krimi «Fischer hat Durst» (2009). Zuletzt «Arme Ritter (2014) und «Spätfolgen» (2015). Mehrfach vom Literaturkredit Basel gefördert. Gründungsmitglied der Schriftsteller-Nati und ehemals Kapitän“.

 

 

 

 

 

 

 

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