Meine Kommissare

Andrea Nagele: Italien

Grado im Sturm

Grado im Sturm

Ich habe schon einige Adria-Krimis der Autorin gelesen – deshalb nehme ich mir mal heraus, Andrea Nagele zu „kennen“, sagen wir besser, zu „verstehen“. Natürlich liegt jeder Handlung eine ganz eigene Geschichte zu Grunde. Mit dem Ziel, die Leser auf spannende Art und Weise zu unterhalten.
Ein „Grado-Krimi“ weckt bei mir stets eine Erwartungshaltung. Welche Überraschung hält die Autorin bereit? Insgeheim hoffe ich, dass sie die Fäden, die sie mit den Akteuren verbindet, weiterspinnt. Gern möchte ich diesen oder jene wiedertreffen. Stolpersteine nehme ich dabei gern in Kauf. Auch das eigene Leben verläuft nicht immer glatt. Es besteht nicht nur aus Gas geben, sondern auch aus Bremsen. Manchmal hart und brutal – das ist übrigens gleichzeitig ein Hinweis auf das, was Sie in Grado im Sturm erwartet.
Dieses Leben möchte ich gern in einem guten Krimi wiederfinden. Werfen Sie einmal einen Blick auf die Vita der Autorin. Der können Sie entnehmen, dass sie mehr als „etwas“ vom Leben und den Menschen versteht. Mit diesem Rüstzeug geht sie an die Arbeit und schreibt. Worum geht es in Grado im Sturm?
Auf jeden Fall um mehr als einen! Sturm.
Da brodelt es unterschwellig zwischen Ehepartnern, es gibt nicht enden wollende Streitereien zwischen Geschwistern, es gibt Nadelstiche und Ungereimtheiten. Es hört nicht auf… Irgendwann muss es doch knallen.
Werfen Sie mit mir einen Blick auf die Akteure der Handlung.
Da ist zunächst Emmanuele. Er verfolgt zwischen den Regalen eines Supermarktes den Disput zwischen zwei Menschen. Sehen kann er nichts, nur hören. Doch der Inhalt dieser „Unterhaltung“ flößt ihm so viel Angst an, dass er schnurstracks zur Polizei rennt und von seinem Erlebnis berichten will. Der Gang zur Obrigkeit  kostet den Jungen gehörige Überwindung, aber die Angst vor dem Gehörten ist größer.
Doch hört man ihm nicht zu. Der Dicke folgte seinem Blick, schaute ihm danach streng in die Augen und knurrte: „Verschwinde.“
Keine Chance für Emmanuele. Auch sein alter Freund Diego ist ihm keine große Hilfe – er vertröstet ihn auf morgen. Doch am nächsten Morgen ist der Junge verschwunden. Spurlos.
Dann ist da noch die Geschichte von der deutschen Familie, die sich auf einen Urlaub an der Lagune freut. In Urlaubsstimmung sind nur die beiden Kinder.
Ist die Stimmung unter den Geschwistern Loredana und Alfonso besser? Die beiden leben in Grado in der ererbten Villa ihrer Tante Dolores. Ein Geisterhaus soll sie sein – so wird gemunkelt. Wenn ich jetzt behaupten würde, die Stimmung zwischen Loredana und Alfonso wäre getrübt, so wäre das stark untertrieben.
Ist das Schicksal von Giuseppe ein Lichtblick? Kaum. Er ist Experte für die Wettervorhersage im Friaul-Julisch Venetien. Einen gewaltigen Sturm sagt er voraus. Die Reaktion seiner Kollegen ist niederschmetternd. Niemand glaubt ihm. Dabei leiden alle, Emmanuele, die deutsche Urlauber-Familie und die Geschwister Loredana und Alfonso seit Tagen unter einer ungewöhnlich drückenden Schwüle.
Wer fehlt noch?
Richtig, Christopher Schumann und Johannes Schröder. Christopher hat seien alten Schulfreund Johannes  zu einem Kurzurlaub eingeladen. Der Gastgeber ist blendender Laune – sein Gast zeigt sich pausenlos als Miesepeter. Das hat seinen Grund.
Was haben diese Menschen gemeinsam, was verbindet sie?
Sie erwartet an unterschiedlichen Plätzen, jedoch in der gleichen Region, ein Unwetter. Dieses Unwetter wird sich auf ihrer aller Schicksal auswirken. Unmittelbar, unerwartet und gnadenlos.
Lieber Leser, Sie denken doch noch an den Jungen, an Emmanuele? Er wurde immer noch nicht gefunden, obwohl Maddalena Degrassi, die Kommissarin und ihre Helfer, fieberhaft nach ihm suchen.
Und dann kommt das Unwetter.
Grado im Sturm erschien Anfang 2019 bei emons:, wie die vorherigen Adria-Krimis auch. Wie es Maddalena und Franjo geht, wollen Sie wissen? Warum ich die beiden nicht erwähne? Lesen Sie selbst. In diesem Buch macht bereits die Summe der Einzelschicksale die Spannung aus.    

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