Meine Kommissare

Benjamin Cors: Normandie

Küstenstrich

Küstenstrich

Ich kann nahtlos an meine letzte Rezension zu Benjamin Cors´ Strandgut anknüpfen. Gerade habe ich den zweiten Band Küstenstrich gelesen.
Bevor Sie dieses Buch in die Hand nehmen, lieber Leser, seien Sie sich ganz sicher, dass Sie Zeit haben und sich nicht nur ablenken wollen. Denn das hätte Küstenstrich nicht verdient.
Jetzt erfahren Sie mehr über den Personenschützer Nicolas Guerlain, Über diesen Einzelgänger, der gleichzeitig Kopfschütteln (vornehmlich bei seinen Kollegen im Commissariat in der Rue Désiré le Hoc in Deauville) und Achtung (bei seinen Freunden, seinem Vorgesetzten und denen, die ihn besser kennen) hervorruft. Der Anzugträger geht unbeirrbar seinen Weg, reduziert Begegnungen mit seiner Mutter (sie arbeitet gleichfalls in Deauville) auf ein Minimum und weicht seinem Vater gänzlich aus.
Nicolas Guerlain denkt daran, wie er seiner Aufgabe als Personenschützer bestmöglich gerecht werden kann und er denkt an Julie. Die er seit seiner Jugend kennt, liebt und von einer Minute auf die andere verloren hat. Unter unerklärlichen Umständen. Mal beschäftigt ihn seine Aufgabe und im nächsten Moment Julie. Diese plötzlichen Stimmungswechsel beschreibt Benjamin Cors sehr treffend. Da entsteht keine Gefühlsduselei, der Protagonist versinkt auch nicht in Selbstmitleid – nein, Nicolas will nur Klarheit und Gewissheit.
Von seinem Vorgesetzten im Pariser Ministerium erhält er den Auftrag, den bereits mehrfach bedrohten Comte Aristide de Tancarville vor einem Anschlag schützen. Tag und Stunde des Anschlags stehen fest.
Der Comte ist nicht irgendwer. Er ist sehr vermögend, unausstehlich und kann es sich erlauben, mit Francois Faure, dem wichtigsten Minister der französischen Regierung, nach Belieben umzugehen. Besser gesagt: umzuspringen. Faure meint es gut, als er seinem Freund Aristide Nicolas Guerlain als Personenschützet schickt. Und was sagt der Comte dazu? „Hör mir gut zu, Francoise. Ich weiß, wen ihr schickt. Diesen durchgeknallten Guerlain, den Typen, der dich damals in Cannes umgehauen hat (im ersten Band Strandgut nachzulesen). Meinst du wirklich, der kann auf mich aufpassen?“
Dem zeitlich befristeten Auftrag zum Aufpassen fehlt eindeutig von Seiten des zu Beschützenden das Vertrauen, was den Beschützer überhaupt nicht berührt.
Für diese Geschichte benötigt ein Autor vom Kaliber eines Benjamin Cors´ natürlich nicht 382 Seiten. Das Buch muss demzufolge noch mehr bieten.
Und ich verspreche Ihnen: es bietet mehr. Der Autor konfrontiert den Leser gnadenlos mit den Folgen einer ungerechten und scheinbar hilflosen Politik. Verpackt in einen Roman, was zu einer Steigerung des dramaturgischen Effektes führt.
Küstenstrich erschien im April 2016, und wie der erste Band auch, bei dtv Premium.

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