Meine Kommissare

Dora Heldt: Schleswig-Holstein

Wir sind die Guten

Wir sind die Guten

Dora Heldt kann dicke Bücher. Das ist grauenhaftes Deutsch, aber die Aussage stimmt. Es klingt so schön plakativ, so unerhört zeitgemäß. Genauso wie „Kann Schulz auch Kanzler?“ oder „Gabriel kann auch Außenminister?“
Was stimmt, ist meine Dicke-Bücher-Phobie. Liebe Autorinnen und Autoren, ab dreihundert Seiten aufwärts gilt bei mir ein Buch als dick und schafft Distanz. Wenn ich in meinem Bücherregal die „Ungelesenen“ anschaue, dann handelt es sich überwiegend um „Dicke“. Eigentlich möchte ich mit meiner langen Einleitung nur erklären, warum ich Wir sind die Guten erst jetzt (fast Mitte August) gelesen und rezensiert habe. Aber ich habe auch den vorangegangenen Band Böse Leute gelesen. War auch ganz schön dick und hat mir sehr gut gefallen.
Wir sind die Guten muss so dick sein. Es gibt nämlich, abweichend von der Norm, mehrere Ermittler. Dora Heldt gibt sich nicht mit einem Kommissar nebst Helfer zufrieden, nein, es gibt noch ein Rentner-Quartett, das bei Bedarf auf ein halbes Dutzend anwachsen kann.
Wer sind diese Menschen, allesamt Inselbewohner und beneidenswert rüstig (liegt wahrscheinlich an der Seeluft und dem geringen Autoverkehr), die sich unerschrocken und nur mit Spürnasen ausgestattet, auf Tätersuche begeben?
Macht Erfolg übermütig, liegt es an Hauptkommissar a.D. Karl Sönnigsen oder an der Seeluft (siehe oben), dass sich die private Ermittlertruppe nicht mit dem Genießen ihres Rentnerdaseins zufrieden geben kann?
Liebe Leser, es lohnt sich schon, sich mit diesem Ermittlerteam um Karl, den langjährigsten Revierleiter Westerlands, zu beschäftigen. Denn um diese Truppe rangt sich die Handlung. Dieser Karl ist mit einem Maß an Hartnäckigkeit und Eigensinn ausgestattet, dass es einem seitenlang die Sprache verschlägt. Karl ist schlau, denn Karl ermittelt nie allein. Er braucht „seine Leute“ links und rechts, die Protokoll führen, ihn (natürlich nur streng nach Anweisung) unterstützen usw.
Der ruhende Pol der Truppe ist Onno, unerschütterlich in seiner Art und seit einem Jahr verliebt in Helga. Das finden alle Freunde toll, nur nicht Karl. Denn aus Karls Sicht steht Helga seiner Freundschaft zu Onno im Weg.
Ähnlich geht es Karl mit Maren, Onnos Tochter, der Polizeiobermeisterin. Sie stellt sich beharrlich Karl in den Weg, wenn der wieder einmal in seinem alten Revier "vorbeischauen" möchte, um Neuigkeiten und Informationen zu aktuellen „Fällen“ zu erfahren.
Das bedeutet: Karl und Maren werden nie Freunde werden.
Protagonist des Buches ist Karl Sönnigsen, auch wenn Maren Thiele, die demnächst vierzigjährige Polizeiobermeisterin, Recht und Ordnung verkörpert. Zu meinem Leidwesen gesteht Dora Heldt ihr deutlich weniger Auftritte zu als Karl.
Jetzt werde ich Sie noch ein wenig neugierig machen auf die Handlung.
Eine Frau verschwindet. Spurlos, von heute auf morgen. Persönlich betroffen von dem Verschwinden sind Inge (die Frau von dem stets recht umständlichen Walter) und ihre Schwägerin Charlotte. Die beiden Damen gehören auch zu der erwähnten privaten Ermittlertruppe und kannten die Verschwundene sehr gut. Fast zeitgleich wird ein unbekannter Toter am Fuße des Roten Kliffs gefunden.
Beide Geschehnisse geben Rätsel über Rätsel auf. Die Polizei tut sich ebenso schwer wie das Rentner-Quartett um Karl Sönnigsen. Richtig, nur vier, denn zwei von dem halben Dutzend haben sich, sagen wir mal vorsichtig, selbständig gemacht.
So launig meine lange Einführung auch klingt ist der Inhalt gar nicht. Es geht schließlich um die Aufklärung von Verbrechen. Der Autorin gebührt Anerkennung dafür, dass es ihr gelungen ist, mit Unterstützung dieser liebevoll beschriebenen Akteure einen spannenden Kriminalroman zu schreiben.
Wir sind die Guten erschien im Juni 2017 bei dtv premium.
Am Ende meiner ersten Rezension (Böse Leute) erfahren Sie mehr über die Autorin. Oder Sie besuchen ihre Website www.dora-heldt.de

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