Meine Kommissare

Frank Demant: Frankfurt-Sachsenhausen

Simon Schweitzer - immer horche immer gugge

Simon Schweitzer -  immer horche immer gugge

Wo fange ich am besten an, damit mich jeder versteht, der noch nichts von F. Demant gehört oder gelesen hat? 

Bei dem ungewöhnlich steinigen Werdegang des 1959 in Frankfurt geborenen Verlegers und Autors F. Demant, (jawohl, beides in einer Person). Oder bei der Figur des Privatermittlers Simon Schweitzer, oder soll ich Sie zunächst einmal mit den Eigenheiten von Sachsenhausen, dem ständigen Schauplatz der Verbrechen, vertraut machen?  
Man kann einfach nicht über diesen Autor und seinen überaus liebenswerten, manchmal aus allen Fugen und (Körper)Form geratenen Protagonisten ohne einschlägige Vorkenntnisse berichten.  
Seien Sie gewarnt, verehrter Leser, es wird deftig wie Handkäs und Rippchen mit Kraut.  
Sachsenhausen ist der größte Stadtteil Frankfurts und hat auch die meisten Einwohner. Außerdem bietet dieser Stadtbezirk eine Kneipenszene, die mich seit meinem achtzehnten Lebensjahr regelmäßig zum Besuch reizt, weil sie sich trotz größer werdender Touristenströme immer noch ihre typischen Eigenheiten bewahrt hat. Möge dieser Zustand noch lange andauern.  
Dieser F. Demant hat es im wahrsten Sinne des Wortes geschafft. Er war einundzwanzig Jahre lang Taxifahrer und hat erst ab 2002 zur Feder gegriffen. Warum nur so spät, Herr Demant?  
Abgesehen von seinem ersten Krimi, einem Wirtschaftskrimi mit Brisanz, der auf einer wahren Begebenheit beruht, schreibt er nur Sachsenhäuser Kriminalepisoden mit Simon Schweitzer als Zentralfigur. Auch hier gilt meine Empfehlung: Fangen Sie bitte bei Band Eins, Simon Schweitzer – Immer horche, immer gugge an. Alle Bände erscheinen im Roeschen Verlag.  
Ich warne vor voreiligen Schlüssen, was die Buchtitel angeht. Humor und Unterhaltung sind in allen Büchern beherrschend, aber in welcher Form! Chapeau, Herr Demant. Der Autor beschreibt so, wie Könner zeichnen. Genau, haargenau. Lebensecht und nachvollziehbar. Der Leser sieht die Handlung in Bildern vor sich. Dass diesem Autor nach so vielen Jahren des Taxifahrens, für mich eine vorweggenommene Abstinenz vom Schreiben, auf Anhieb ein solcher Sprachstil gelingt, verdient allerhöchstes Lob.   
Das Privatleben des Herrn Simon Schweitzer macht fast schon neidisch. Zumindest möchte man sich eine Scheibe von dieser ganz speziellen Art und Weise zu leben etwas abgucken. Dieser extrem ausgeprägte Hang zur Bequemlichkeit wird nur noch von der Lust am Leben übertroffen. Zudem macht er auch noch einen höchst zufriedenen Eindruck. Diese Figur lebt nach einem ganz eigenen Wertekanon. Und um das Maß an Glück voll zu machen stellt der Autor ihm noch ein Weib namens Maria an die Seite. Seine Freundin, nicht seine Ehefrau – eine Ehe zu führen, das wäre nicht gut, weder für Herrn Schweitzer noch für eine Frau Schweitzer.   
Wenn Simon Schweitzer ermittelt, meist stolpert er in seine Fälle, erledigt er das zu Fuß, mit der Straßenbahn und in Form von hinterhältig harmlosen Befragungen in der Kneipenszene. Da hat er so seine Kontakte, den besten zum Oberkommissar Schmidt-Schmitt von der Frankfurter Kripo.  
Simon Schweitzer ist nicht gerissen oder verwegen, obwohl er sich am Ende seiner erfolgreichen Arbeit vor seinen Zechkumpanen gern so darstellt. Er ist schlau und hat Köpfchen und das behält er gern für sich und spielt den Einfältigen.  
Seine Fälle finden gewissermaßen vor der Haustür statt. Natürlich habe ich alle Sachsenhäuser Kriminalepisoden gelesen. Ganz oben stehen für mich die Bände zwei und sechs. Ganz große Leseklasse. Sind in Band zwei die Dialoge für den Erfolg verantwortlich, so sind es in Band sechs Situationsbeschreibungen und skurrile Gedankengänge im Hirn des über viele Seiten sehr hilflosen Privatdetektivs.   
Wen diese Beschreibungen angesprochen haben, der sollte die Bücher von F. Demant lesen. Für Freunde Frankfurts sind sie ohnehin Pflicht. Und dann gibt es noch die Gruppe derer, die wieder einmal laut lachen möchte, weil es wirklich etwas zu lachen gibt. Möchten Sie mehr zu Autor und Büchern erfahren, dann schauen Sie unter roeschen-verlag.de nach. Auch beim Studium dieser Website wird eine Eigenschaft des Autors deutlich: seine Bescheidenheit.

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