Meine Kommissare

Frank Goyke: Lüneburg

Lüneburger Totentanz

Lüneburger Totentanz

Das Buch brachte mir meine Frau aus Lüneburg mit, weil ich nach der Lektüre von Blutheide (von dem Autorenduo K. Hanke und C. Kröger) plötzlich für Lüneburg schwärmte.
Lüneburger Totentanz ist ohne Zweifel ein Lüneburg-Krimi und passt somit zu den Regional-Krimis. Der Mord an dem Lüneburger Salzhändler Lüdeke Peters ereignet sich aber bereits 1433, als Sigismund von Luxemburg Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war. Somit schien das Buch keine leichte Kost zu werden, zumindest nicht für einen Krimi-Freund wie mich. Auch zählte Geschichte in der Schule nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfächern. Trotzdem habe ich das Buch aufmerksam gelesen (übrigens mit wachsendem Interesse), konnte mir zunehmend die vielen ungewöhnlichen Namen merken (wovon der Autor leider reichlich Gebrauch gemacht hat) und war schließlich dankbar für diese Art von Geschichtsunterricht.
„Frank Goyke, 1961 in Rostock geboren, ist seit 1997 als freier Schriftsteller, Lektor und Herausgeber tätig. Er veröffentlichte bereits zahlreiche Kriminalromane; u.a. den erfolgreichen Hansekrimi Balthazar Vrocklage ist verschwunden. Sein Roman Dummer Junge, toter Junge wurde 1996 mit dem „Marlow“ der Raymond-Chandler-Gesellschaft als bester deutschsprachiger Kriminalroman ausgezeichnet.“ Das schreibt die Europäische Verlagsanstalt über ihren Autor in der 4. Auflage des 2012 erschienenen Buches (Hinweis: Die Erstauflage erschien etwa 2003).
Hat er sich aber vertraut gemacht mit den Besonderheiten der alten Hansestädte, der Art Handel zu treiben und erfährt mehr über die damaligen Standesunterschiede, dann genießt der Leser zunehmend auch den Humor des Autors. Und dass als „Ermittler“ ein mehr als ungleiches Paar, nämlich der Ritter Heinrich von Ritzerow und Bruder Anselm, ein Mönch, in Erscheinung treten, hat zusätzlichen Unterhaltungswert.
Die Untersuchung eines Mordes, die Anklage und die Verurteilung waren zu jener Zeit innerhalb der Mauern einer Stadt klar geregelt. Außerhalb der Städte herrschte weitgehend Unklarheit. War man des Täters habhaft geworden und musste ihn „nur noch“ überführen, also ihn zu einem Geständnisses „bewegen“, war das schon etwas anderes. Deshalb sind die Angehörigen des ermordeten Salzhändlers auch nicht ganz unglücklich über den Entschluss des trinkfreudigen Ritters, den oder die Täter aufzuspüren. Denn der Ritter verfügt über wahrhaft schlagende Argumente, die in diesen rauen Zeiten manchmal vonnöten sind. Für den Ausgleich und das Denken sorgte der, gleichfalls recht trinkfeste, Mönch.
Die Handlung gesteht der Schilderung leiblicher Genüsse reichlich Raum zu, so dass ich mich über Zubereitungs-Tipps im Anhang nicht gewundert hätte.
Dass die Verfolger den Täter nicht erst auf der letzten Seite, sondern schon sehr viel früher entlarven, tut der Spannung und der Lust am Lesen keinen Abbruch. Das ist das Verdienst des Autors. Frank Goyke ist es gelungen, das Geschichtliche durch sehr lebendige Dialoge aufzulockern. Ein wenig Gefühl ist übrigens auch dabei - der Hinweis gilt der weiblichen Leserschaft.

 

Das Buch gehört unbedingt in Reihe der historischen Regionalkrimis, von denen ja bereits einige auf dieser Website zu finden sind.

 

 

 

 

 

 

 

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