Meine Kommissare

Georg Gracher: Salzburger Alpen

Kiebitzjagd

Kiebitzjagd

Gerade, im September 2016, erschien der siebte Band um den Ermittler Oskar Jacobi. Genau muss es eigentlich heißen: Oberst Jacobi vom Referat 112 Delikte gegen Leib und Leben des LKA Salzburg. Und um der Höflichkeit die Ehre zu geben, schließlich befinden wir uns in Österreich, gehört sich auch die Erwähnung seiner beiden Kollegen. Es sind dies Chefinspektor Leo Feuersang und Major Lorenz Redl. Die beiden Letztgenannten vertreten in Kiebitzjagd während eines großen Teils der Handlung ihren Vorgesetzten ganz hervorragend. Wenn die beiden als Team auftreten, sind die Rollen klar verteilt. Der gern als jüngere Ausgabe von George Clooney beschriebene Lorenz Redl tritt ruhig, sicher und sehr bestimmt auf – der reine Ermittler. Leo Feuersangs äußeres Erscheinungsbild hingegen mag empfindliche Naturen eher erschrecken als in freudige Erregung zu versetzen. Der Vergleich mit dem stiernackigen Anthony Quinn in der Rolle des Quasimodo ist nicht weit hergeholt. Verhöre von Verdächtigen sind Feuersangs Spezialität. Antworten, die nicht zu seiner vollen Zufriedenheit ausfallen, führen rasch zu einer deutlichen Veränderung der Gesichtsfarbe. Damit ist dann der letzte Rest von Verbindlichkeit verschwunden.
Die Krimis von Georg Gracher sind mir inzwischen sehr vertraut. Mit Ausnahme von Hinweisen zum Ermittlerteam gibt es keine Wiederholungen. Der Autor bleibt in „seiner“ Region, wechselt aber die Schauplätze. Seine Geschichten variieren – der Leser erkennt „einen Gracher“ am Schreibstil und an der gleichbleibenden Qualität. Jede seiner Geschichten ist mit einem eigenem Thema verknüpft.
In Kiebitzjagd hat Georg Gracher in die Trickkiste gegriffen und bietet seinen Lesern ein sehr bekanntes Szenario, das gleichzeitig zum Mitdenken reizt, aber beim Leser auch für Verwirrung sorgen kann.
Im Zentrum der Geschehnisse steht das Spirituelle Zentrum Embach, kurz SPIZ genannt. Im Haus für Exerzitien, Meditation und kontemplative Begegnung befinden sich während der Einkehrwoche sieben Teilnehmer, der Leiter dieses Zentrums, sowie weitere vier Personen, die sich um das Wohl der Gäste kümmern.
Ist Ihnen der Einstieg nicht spannend genug?
Für den zweiten Tag ist eine gemeinsame Wanderung angesetzt. Bis auf einen Teilnehmer kehren abends alle zurück. Einer fehlt, wird aber trotz intensiver Suche nicht gefunden.
Die eingeschaltete Polizei hat zwar mit der Suche Erfolg, aber die vermisste Person ist tot - ermordet.
Der Kreis der Verdächtigen ist nicht groß, siehe oben. Sieben Teilnehmer und fünf Personen, die zum SPIZ gehören. Diese Feststellung hat bereits etwas Beklemmendes.
Die Beklemmung nimmt spürbar zu, als am nächsten Tag unter sehr merkwürdigen Umständen im Spirituellen Zentrum ein weiterer Toter gefunden wird.
Der Fundort der Leiche gibt allerdings nur Rätsel auf. Alle sind ratlos, auch die Polizei.
Mit dem Ableben dieses weiteren Teilnehmers hat sich zwar gleichzeitig der Kreis der Verdächtigen (wenn auch nur geringfügig) verkleinert, aber das hilft den Ermittlern auch nicht weiter.
Es wird ermittelt, verdächtigt, geschimpft, kombiniert und recherchiert. Die Lösung ist nur bei einer der im Zentrum wohnenden Personen (egal ob Gast oder ständiger Bewohner) zu suchen.
Georg Gracher ist ein Meister des verbalen Schlagabtausches. Auf der einen Seite die nur an der Aufklärung interessierten Polizisten, ihnen gegenüber aufgebrachte Teilnehmer, die sich falschen Verdächtigungen ausgesetzt sehen und sich deshalb mit aller Vehemenz wehren.
Und wenn Sie, lieber Leser, eine Steigerung im Handlungsablauf nicht für möglich halten, dann kann ich Sie beruhigen: Es gibt eine.
Kiebitzjagd ist ein klug geschriebener Regio-Krimi mit eindeutig österreichischer Prägung. Das Buch erscheint, wie die vorherigen Bände um den Protagonisten Oskar Jacobi, bei emons:.

 

 

 

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