Meine Kommissare

Hannes Nygaard: Eiderstedt

Das Dorf in der Marsch

Das Dorf in der Marsch

Das Dorf in der Marsch, 2013 erschienen, gehört zusammen mit fünfzehn weiteren zu den „Hinterm Deich Krimis“, die der Emons Verlag seit 2004 verlegt. Dieses Buch ist ohne Zweifel ein Regional-Krimi und der Tatort samt Umfeld ist Eiderstedt. 
Die Halbinsel habe ich schon kreuz und quer mit Auto und Fahrrad befahren und konnte deshalb die Wege aller an der Handlung Beteiligten nachvollziehen. 
Der schreib-fleißige Autor Hannes Nygaard heißt eigentlich Rainer Dissars-Nygaard, wurde 1949 geboren, studierte Betriebswirtschaft und war als Unternehmensberater tätig. Er lebt als freier Autor auf der Insel Nordstrand. Diese Angaben entnahm ich dem Klappentext. Auf der Website www.hannes-nygaard.de erfahren Sie mehr. 
Wissen sollten Sie als Leser noch, dass die etwa dreißig Kilometer lange und rund fünfzehn Kilometer breite Halbinsel durch Landgewinnung und Eindeichungen entstand. Und dass Eiderstedt mit rund vierundvierzig Einwohnern pro Quadratkilometer sehr dünn besiedelt ist. Große Abstände zwischen den Nachbarn sollten eigentlich für Ruhe unter den Bewohnern sorgen. Doch weit gefehlt. Hannes Nygaard weiß es besser und da er ein Kenner des verordneten, des gewünschten und des verwünschten Strukturwandels auf der Halbinsel ist, weiß er auch um das Befinden der vielschichtigen Interessenlagen unter der Bevölkerung. 
Es geht um Energieerzeugung, wirtschaftlich sinnvolle Betriebsgrößen, Naturschutz und die strikte Bewahrung von Idylle. 
Der Autor hat penibel recherchiert und gibt dem Leser mit diesem Buch auf spannende Weise Erleuchtung bzw. Nachhilfe. Aber niemals besserwisserisch! 
Bewundernswert empfand ich die Ursache für die Arbeit der Ermittler: Den Fund eines Fingers im Bullauge einer Biogasanlage! An dieser Stelle habe ich gegrübelt. War dieser Fund als Fingerzeig gemeint? Auf die Probleme der Region, stellvertretend eine Biogasanlage? 
Egal. Die zuständigen Dienststellen wissen, so klein der Fund auch sein mag, sie müssen nach dem Besitzer suchen. 
Da ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt. Dass sie das haben, beweisen der Erste Hauptkommissar Christoph Johannes und sein Kollege Oberkommissar Große Jäger von der Husumer Polizeidirektion. Die beiden sind erfahrene Polizisten, die nicht nur das Land sondern auch die Leute und ihre Eigenarten und Unarten kennen. Dabei offenbaren sich ihnen auch menschliche Abgründe, die „ein normaler Mensch“ nicht für möglich gehalten hätte. 
Befragen, kombinieren und im Team arbeiten. Das sind die Stärken des Ermittler-Duos. Handfeste Typen, höchst unterschiedlich und Profis, die sich auch verbal zu wehren wissen.
Wem soll ich dieses Buch empfehlen? 
Zunächst einmal allen, die „hier oben“ wohnen. Dann denen, die grundsätzlich neugierig sind auf diese Region und den passenden Einstieg suchen. Und natürlich all denen, die sich die Halbinsel als Urlaubsort ausgesucht haben.

 

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