Meine Kommissare

Heike Denzau: Ostholstein

Die Tote am Deich

Die Tote am Deich

Ich habe das Buch Die Tote am Deich von Heike Denzau in der Hand und suche Wewelsfleth, den Tatort. Als Hamburger ist mir die kleine Gemeinde an der Stör nicht unbekannt; das Hinweisschild auf der A 23, Höhe Itzehoe, ist schwer zu übersehen. Hier komme ich während der Sommermonate auf meiner Fahrt Richtung Nordsee regelmäßig vorbei.
Die gedehnte Einleitung ist Zeichen meiner Begeisterung für Regionalkrimis. Denn zur Handlung gehören auch stets ein Umfeld und somit regionale Besonderheiten. So karg diese auch sein mögen.
Heike Denzau wurde 1963 in Itzehoe geboren und wohnt heute mit Ehemann und zwei Töchtern in … richtig, in Wewelsfleth. Der Emons Verlag hält sich sehr zurück mit Informationen zu seiner Autorin, die mit dem 2011 erschienenen Buch ihren ersten Krimi veröffentlicht hat. Ergiebiger ist da schon die Website www.heike-denzau.de.
Erst wenn dem Leser Charakter und Eigenheiten einer Marschlandschaft vor Augen geführt werden, lernt er die deutliche Zurückhaltung der Bewohner zu verstehen. Dass die Bevölkerung hier nicht aus lauter Frohnaturen bestehen kann ist durchaus verständlich. Marschland findet man übrigens fast nur an der Nordsee, die Flut verhindert zweimal täglich das Austrocknen des überaus fruchtbaren Bodens.
Mitten in der Kremper Marsch, eine der vier holsteinischen Elbmarschen, liegt der etwa 1.500 Einwohner zählende Ort Wewelsfleth. Wenn ausgerechnet hier auch noch ein Mord an einem Kind verübt wird, dann ist das doppelt traurig.
Die Autorin hält sich nicht mit einer langen Einleitung auf, sie springt gleich in die Handlung. Viel wörtliche Rede sorgt für eine lebendige Handlung. Gleich auf der ersten Seite wird die neue Oberkommissarin Gwendolyn Harms, kurz Lyn genannt, vorgestellt. Ab jetzt gehört sie zum Ermittlerteam von Hauptkommissar Wilfried Knebel. Wenn der Leser nicht auf die hintere Umschlagseite schaut, erfährt er erst sehr spät, dass die zentrale Anlaufstelle für die Verbrechensbekämpfung im Umland die Kripo Itzehoe ist. Ich finde, diese und weitere Informationen gehören durchaus zum Anspruch eines Regionalkrimis.
Lyn, alle anderen duzen sie auch, ist alleinerziehende Mutter zweier heranwachsender Töchter. Anders als (von mir) befürchtet, meistert sie die überschaubaren Probleme der beiden. Gar keine Probleme hat sie mit ihrer Figur – das findet jedenfalls ihr neuer Kollege Hendrik Wolff. Der baggert die Neue an auf Teufel komm raus, zugegeben recht direkt aber nicht unfreundlich.
Ein hübscher roter Faden zieht sich so durch das Buch.
Es gibt gewiss leichter verdauliche Verbrechen als die Ermordung einer Jugendlichen und die Entführung eines Kindes. Dass sich die Autorin gleich bei ihrem Debüt an dieses schwierige Thema heranwagt, dafür gebührt ihr Respekt und dass sie es gemeistert hat, dafür verdient sie Anerkennung.
Lyn ermittelt im Team, geht aber auch ihren eigenen Weg. Sie denkt sich in Menschen hinein, hat Vorbehalte und Ahnungen zugleich und mit dem Kollegen Wolff einen verlässlichen Partner in der neuen Truppe gefunden.
Heike Denzau lässt aber auch Täter und Opfer zu Wort kommen und beschreibt damit Szenarien, die bei derartigen tatsächlichen Verbrechen nicht zur Sprache kommen (können).
Ihre Vermutungen und Gedankenspiele wirken nicht gekünstelt, sondern sind nachvollziehbar.
Liebe Frau Denzau, beim nächsten Mal bitte mehr Beschreibungen der Region. So karg diese Region auch ist, sie hat doch ihre Reize. 
Wer sollte dieses Buch lesen?
Wen neue Namen wirklich reizen, wer gern entdeckt, wer Freude an lebendiger Sprache hat und wem diese Ecke Deutschlands im Krimiregal noch fehlt.

 

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