Meine Kommissare

James Carol: USA

Prey Deine Tage sind gezählt

Prey Deine Tage sind gezählt

Irgendwo in New York wartet Jefferson Winter gegen zwei Uhr morgens in einem Imbisslokal auf sein Essen. Die Stimmung ist so, wie sie nur in einem New Yorker Imbisslokal morgens um zwei Uhr sein kann. Eine blonde junge Frau nähert sich Winter und verwickelt ihn in ein Gespräch – es zeigt sich, dass sie genau weiß, wer Winter ist.
Plötzlich geht alles sehr schnell. Der Koch bringt das Essen und Sekunden später bringt die blonde junge Frau vor Winters Augen den Koch mit einem Messer um.
So fängt die Geschichte um den Profiler Jefferson Winter an. Wer ihn noch nicht kennt, sollte bitte meine Rezension zum ersten Band Ich werde es wieder tun lesen. Nur so viel: Winter, so wird er stets genannt, lebt aus dem Koffer, er reist um Verbrechen aufzuklären. Wo andere nicht weiterkommen, fängt Winter an. Zehn Jahre als Verhaltensanalytiker beim FBI haben aus ihm einen gefragten Mann gemacht. Ausschlaggebend für seine Berufswahl war aber die Tatsache, dass der junge Jefferson mehr als die vielzitierte „Verkorkste Jugend“ hatte. Jefferson hatte einen mehrfachen Mörder zum Vater.
Warum begeht eine Frau, die Winter kennt, vor seinen Augen einen Mord? Der Profiler vergisst seinen nächsten Auftrag und macht sich mit Sergeant Carla Mendoza auf den Weg, um die Hintergründe dieses Mordes aufzuklären und die Mörderin zu finden. Mendoza, die in der Zentrale des New York City Police Departments, Police Plaza 1 (die Anschrift ist übrigens korrekt) arbeitet, ist zu diesem Zeitpunkt seine einzige Hoffnung und Hilfe zugleich. Er braucht ihre Ressourcen, auf die nur sie Zugriff hat.
Mendoza, die Winter aus dem vorangegangenen Fall kennt, verspürt nicht annähernd Lust oder Bereitschaft, auf Winters Bitte einzugehen und die Mörderin des Kochs zu verfolgen. Der Profiler muss all seine Überzeugungskraft aufbieten, bis Mendoza ihn begleitet. Lieber Leser, an dieser Stelle beginnt nicht die Geschichte von Bonnie und Clyde. Es wird auch nie rührselig. Aber Winter ist nun mal keine Amtsperson und Mendoza keine Profilerin mit dem Wissen und der Erfahrung von Winter.
Es beginnt eine Verfolgung der anderen Art. Ein alter Fall wird ausgegraben. Ehemalige Zeugen und damalige Ermittler werden befragt. Fast aussichtslos beginnen die Befragungen, ein Durchbruch scheint in weiter Ferne zu sein. Mendoza schenkt Winter mehr und mehr Vertrauen, doch ihr Verhältnis zueinander könnte nüchterner nicht sein.
Ein Thriller, der vom Denken, vom Gedanken machen und vom Hineinversetzen in andere lebt. Das ist äußerst spannend.
James Carol verschont weder seine Protagonisten (denn Mendoza gehört mittlerweile dazu) noch den Leser mit brutalen Bildern. Sie können aber nicht wirklich erschrecken, weil sie Teil der Handlung sind – sie gehören dazu.
Die unwirkliche Welt, in der sich Winter und Mendoza bewegen, bekommt Glaubwürdigkeit durch den Umstand, dass beide keine Heldenfiguren sind. An keiner Stelle gibt es ein Siegerlächeln.
Prey Deine Tage sind gezählt erschien im Juli 2016 und, wie der erste Band, bei dtv.  

 

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