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Jobst Schlennstedt: Lübeck

Lübeck im Visier

Lübeck im Visier

Zu kühn gedacht, was Jobst Schlennstedt in Lübeck im Visier beschreibt? Nein, leider nicht. Sie müssen nicht lange im Netz suchen, lieber Leser. Es genügt die Eingabe weniger Suchbegriffe und Ihnen stehen die Haare zu Berge. Reißerisch zu schreiben ist nicht die Sache des Autors - vielmehr beschreibt er angesichts der Ungeheuerlichkeiten verhältnismäßig kühl den Ablauf einer kriminellen Handlung.
Der Untergang des Fährschiffes Estonia auf dem Weg von Tallinn nach Stockholm, der 852 Todesopfer forderte, gab den Anstoß zu diesem Buch. Lässt sich Unglück steigern? Kehren Einsicht und Vernunft bei den Verantwortlichen ein, egal ob in Politik oder Wirtschaft, wenn schreckliche Unglücke geschehen? Ich meine nicht die unkalkulierbare Gewalt der Natur, der die Menschen immer wieder ausgesetzt sind, sondern das bewusste Eingehen oder Zulassen von Risiken aus Profitgier.
In diesem Buch geht es nicht „bloß“ um Mord, was ja schon schlimm genug wäre. Diese Handlung „spielt“ in der Champions League der Verbrechen. Wer jetzt mit dem Auftauchen eines Helden rechnet, der sich dem Kampf gegen das Unrecht stellt, der irrt. Es ist der private Ermittler Simon Winter. Ein Mann von fast schon unwirklicher und stoischer Ruhe, der seine Zufriedenheit ausschließlich in der Aufklärung ganz schwieriger Fälle findet. Man kann ihn dafür aber nicht beneiden, noch möchte man ihm nacheifern. Denn Simon Winter ist in sich selbst gefangen. Er weiß das und gibt es offen zu und lässt es auch Anna wissen, die ihn liebt.
Der private Ermittler wohnt in einem Campingwagen auf einem Campingplatz am Pönitzer See, nur wenige Kilometer entfernt von der Lübecker Bucht entfernt. Landschaftlich reizvoll, das war´s.
Ein Unbekannter versteht es geschickt, Simon Winter Informationen zukommen zu lassen, die gerade bei diesem Mann auf fruchtbaren Boden fallen. Der große Unbekannte weiß genau, was den privaten Ermittler lockt: Eine Empfehlung von Kalle Hansen und ein wenig Lob. Das liest sich dann so:
„Sie schickt also Kalle Hansen?“
„Er sagt, Sie seien der Beste.“
„Das stimmt.“
„Nach ihm selbst, hat er gesagt. Aber er hat leider keine Zeit für mein Anliegen.“
Nur mit wenigen, dürftigen Hinweise dieses Unbekannten im Kopf, versucht Simon Winter im Internet zu recherchieren, er fragt seinen alten Weggefährten Kriminalhauptkommissar Birger Andresen und er versucht, den Redakteur einer namhaften Hamburger Tageszeitung ausfindig zu machen. Doch dieser ist tot, mit dem Auto verunglückt, Tathergang ungeklärt.
Simon Winter wird neugierig, langsam und stetig. Er schießt nicht aus der Hüfte, er will den Dingen, die er nicht versteht, auf den Grund gehen.
Er verspricht Anna eine, sagen wir mal, Seereise. Doch angesichts von Dreck und Rost an Bord der MS Klaipėda Express wird Anna langsam klar, dass ihr Freund keine Vergnügungsreise nach Klaipėda (einer Hafenstadt in Litauen) geplant hat, sondern nur und ausschließlich, fast schon reflexhaft, seinem Spürsinn folgt.   
Das Unheimliche an der Geschichte ist, dass sie wahr sein könnte bzw. wahr werden könnte. Und dass in einem solchen Fall wahrscheinlich nur ein unnachgiebiger Ermittler die Wahrheit zu Tage fördern kann.
Zu phantastisch?
Lesen Sie die Zeitung und hören Sie regelmäßig Nachrichten.
Es ist der zweite Band in der Reihe um den Ermittler Simon Winter. Er erschien 2015, und wie die anderen beiden auch, bei emons:.
Mehr und viel Wissenswertes über ihn und seine Bücher erfahren Sie beim Besuch seiner Website: www.jobst-schlennstadt.de.       

 

 

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