Meine Kommissare

Hanke K. Kröger C. : Lüneburg

Heidezorn

Heidezorn

Das ist ein deutscher Thriller. Ein Lüneburger Thriller. Die beiden Autorinnen schreiben so ungehemmt, dass es schon wieder eine Freude ist. Voller Konzentration auf eine! Geschichte. Da lenkt nichts von der Handlung ab, der Leser muss nicht nachschlagen, nicht rekapitulieren. Der Personenkreis ist begrenzt und überschaubar. Er kann in Ruhe bzw. Unruhe dem dicken roten Faden folgen.
Und da sie ihr Metier beherrschen, die Damen Kathrin Hanke und Claudia Kröger, halten sie die Summe der Sympathie-Bekundungen, was die Protagonistin Katharina von Hagemann betrifft, in Grenzen. Ja, die Kommissarin hat sich inzwischen in Lüneburg eingelebt, wurde in das Team des Kriminalhauptkommissars Benjamin Rehder aufgenommen und hat sich dort auch einen nahezu unverzichtbaren Platz geschaffen. Alles richtig, aber manchmal könnte sie sich gern ein wenig zurücknehmen mit ihren allzu schnellen Äußerungen und Bemerkungen. Nützt nur nichts – zu spät. Das Gesagte steht im Raum und hat bei einem der Anwesenden Unheil angerichtet.
Die Steigerung dieses manchmal befremdlichen Verhaltens sind ihre Alleingänge. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie verlässt das Kommissariat, ihre Wohnung oder die von Bene, ihrem Freund. Sie geht einfach. Entweder weil sie plötzlich eine neue Idee hat (Beruf) oder weil ihr weitere Ideen zu einem vernünftigen Gespräch fehlen (Privat).
In Heidezorn könnte sie allerdings Hilfe gebrauchen, sowohl von Seiten ihres Freundes als auch von Seiten ihrer Kolleginnen und Kollegen.
Das Problem ist nur: Wie und was soll sie den Anderen sagen? Wie soll sie kleine und kleinste Vermutungen in Worte fassen? Bloße, aber aus ihrer Sicht begründete, Vermutungen, die zu etwas Ungeheuerlichem führen werden? Wie wird Bene reagieren? Er kann sie nur in den Arm nehmen. Und dann?
Ihrem Chef, Ben, dem Bruder ihres Freundes kann sie sich anvertrauen. Doch Ben ist ein Mann der Fakten. Mit Vermutungen kann sie ihm nicht kommen. Außerdem ist sie sich lange Zeit selbst nicht sicher, welches Ziel die vielen versteckten Hinweise haben, die sie an den Tatorten findet.
Diese Hinweise ergeben ein Muster, ganz klar. Nur weist dieses Muster auf einen Menschen hin, der nicht der Täter sein kann!
Die Kommissarin in dieser Geschichte in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen, passt in diesem Fall haargenau. Katharina kämpft und wehrt sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Das ist vornehmlich ihr Kopf. Da steckt viel Erfahrung und Wissen drin. Allerdings funktioniert so ein Kopf nur, wenn er gut gekühlt wird. Das ist Katharinas Problem: Manchmal setzt die Kühlung aus.
Das Autoren-Duo weiß genau, in welcher Dosierung es dem Leser Spannung und Aufregung zumuten kann. Die kleinen Unterbrechungen heißen „Privatleben“ und „Umgang mit Kollegen“.
Heidezorn erschien im März 2017 im Gmeiner-Verlag, wie ihre vorherigen Krimis auch. 

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