Meine Kommissare

Kurt Geisler: Nordfriesland

Bädersterben

Bädersterben

Meine Frau und ich wollten für ein paar Tage nach Helgoland fahren und uns vorher in unserer kleinen Buchhandlung mit geeigneter Lektüre versorgen lassen. Also hieß die Frage: Gibt es einen Helgoland-Krimi? Gibt es: Kurt Geisler und sein 2010 erschienenes Erstlingswerk Bädersterben.
Kurt Geisler ist ein großzügiger Autor, man kann auch sagen: platzgreifend. Das betrifft sowohl die Schauplätze seiner Handlung als auch die Anzahl seiner Akteure.
Möglicherweise hat er geahnt, dass er mit der Einverleibung großer Teile Frieslands manchen Binnenländer verschrecken oder verunsichern könnte. Denn auf der Website für seinen Krimi Bädersterben bietet er unter der Rubrik Schauplätze einen Kartenausschnitt von Google Maps an, der wertvolle Dienste bei der Orientierung leistet. Und die ist im Fall von Bädersterben auch dringend erforderlich. 

Bevor ich Kommissar Hansen und seine Helfer vorstelle, will ich Ihnen sagen, dass der 1952 geborene Kurt Geisler aus Kiel stammt und nicht nur schreibt, sondern auch fotografiert. Wissenswertes finden Sie unter www.kurtgeisler.de. Klicken Sie an und staunen. Der Autor kann nicht nur schreiben und fotografieren, sondern versteht sich auch auf das Gestalten. Hier beschreibt er u.a. mit viel Liebe zum Detail seine „Spielfiguren“, wie er sie nennt.
Nicht ganz so großzügig ist der Gmeiner-Verlag. Die Informationen zum Autor sind ausgesprochen spärlich. Schade.
Sollten Sie Bädersterben als Strandlektüre zur Entspannung ausgewählt haben, suchen Sie sich ein sicheres Plätzchen. Wo sich andere erholen, wird gemordet. Um die Aufklärung schlimmer Taten kümmern sich mehrere Teams und um ihnen auch auf der Spur bleiben zu können braucht der Leser einen klaren Kopf und keine klaren Getränke. Sonst wird das nix mit dem Verstehen.
Aufklären soll den Mord in St. Peter-Ording Kommissar Hansen von der Kripo Kiel. Ihm zur Seite steht Oberkommissar Stüver. 
Da Hansen allein nicht klarkommt bittet er Helge Stuhr um Amtshilfe. Der ist Frühpensionär, war früher bei der Kieler Staatskanzlei tätig und hat dorthin immer noch ganz ordentliche Kontakte. Ideale Voraussetzungen für seine Undercover-Tätigkeit. Seinen Freiraum nutzt der Pensionär geschickt und reichlich und wird deshalb zur Zentralfigur.
Hansen und Stuhr sind in allen Krimis von Kurt Geisler das „Ermittlerduo“. Dabei ist die alleinige Nennung der Nachnamen nicht despektierlich gemeint – beide mögen einfach nicht ihre Vornamen.
Dann gibt es noch Herrn Rost von der Wasserschutzpolizei Helgoland und mit der Revierleiterin Christiane Clausen von der Polizeiwache St. Peter-Ording auch eine Dame im Quartett.
Spannend und für die Ermittler erschwerend ist die Tatsache, dass Helgoland eine Hochseeinsel ist. Der Reisende hat die Wahl zwischen Schiff oder Flugzeug. Beim Schiff empfiehlt sich der Katamaran von Hamburg, mit kurzer Zwischenstation in Cuxhaven. 
Das ist nicht jedermanns Sache, denn die Elbe ist nun mal kein Binnengewässer. Die Handlung beschäftigt sich mit Gier, Korruption und Liebe und den unvermeidlichen Toten. Der Leser erfährt in einem Schnellkurs viel Wissenswertes über die Region und ich kann nur hoffen, dass er sich von den beschriebenen Widrigkeiten einer Überfahrt zu Deutschlands einziger Hochseeinsel nicht abschrecken lässt.

Die Handlung wird schnell und zügig beschrieben und die große Ermittlerrunde hat alle Hände voll zu tun und zu telefonieren, um Verunsicherung unter den Touristen zu vermeiden. Der Schreibstil ist frisch und passt zum Nordseeklima.

Zwei weitere Krimis hat Kurt Geisler geschrieben: Friesenschnee und Küstengold.

 

Alle Rezensionen von Kurt Geisler

Facebook