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Lieneke Dijkzeul : Niederlande

Lieneke Dijkzeul

Lieneke Dijkzeul

Niederlande, einfach nur Niederlande, ohne weitere Ortsangaben. Mit der fehlenden Festlegung auf eine bestimmte Region hat es sich die Autorin etwas schwerer und dem Leser etwas leichter gemacht. Lieneke Dijkzeul muss also einen Handlungsablauf bieten, der den Leser bis zur dreihundertachtzehnten Seite fesselt. 
Sie kann nicht Ablenken durch blumige Beschreibung des Tatort-Umfeldes. Sie beschreibt ausschließlich die Menschen und ihr Handeln. Und sie beschreibt vortrefflich Gedanken, Gefühle und Handlungsabläufe. 
Gewissermaßen als Debüt in ihrem Anfang 2015 bei dtv erschienenen Buch In der Stille der Tod bietet sie dem Leser eine zehn Seiten lange Beschreibung über die Beseitigung eines Toten. Es ist eher die technische Beschreibung der Entsorgung eines toten Mannes durch eine deutlich kleinere und somit schwächere Frau. Es geht auf diesen ersten Seiten nicht um die Todesumstände oder irgendwelche Begleitumstände  – Lieneke Dijkzeuls Schilderung konzentriert sich auf das Finden einer Lösung: Wie schaffe ich unbeobachtet diesen Toten aus dem Haus und wie gelingt es mir, alle Spuren zu verwischen?  
Ist diese Frau auch die Mörderin? 
Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die Autorin überlässt weitere Gedanken dem Leser.
Beim Lesen dieser „Szene“ musste ich unwillkürlich an Stummfilme aus den dreißiger Jahren denken.   
Übrigens, diese Meisterin der Entsorgung schließt ihr sorgsames Handeln mit einer Vermissten-Meldung bei der Polizei ab. Soviel sei verraten.
Die Autorin beschreibt alle Figuren mit der gleichen Sorgfalt. Das Ekel genauso wie den Penner. Diesem verleiht sie, vielleicht zum Trost, liebenswerte Wesenszüge und stellt ihn auf eine Stufe mit den Besitzenden.
Die Spannungen innerhalb der Unternehmer-Familie Verkallen werden beschrieben. Zu dieser Familie gehören die Bestimmenden, die ewigen Dulder und natürlich auch die Verlierer. Gut gezeichnet sind alle Beteiligten. Die Autorin lässt den Leser mitfühlen aber nicht mitleiden. 
Lieneke Dijkzeul hat gründlich recherchiert und sie versteht es, ihr Wissen auch an den Leser weiterzugeben.
Da es sich bei diesem Buch eindeutig um einen Krimi handelt, fehlen noch weitere Zutaten, nämlich die Ermittler. 
Protagonisten sind der Inspecteur Paul Vegter und sein Kollege, der Ermittlungsbeamte  Sjoerd Talsma. Vegter und Talsma, nur so werden die beiden stets genannt, sind ein gut aufeinander eingespieltes Team. Solide Polizisten, Profis, die unbeirrt ihre Spuren verfolgen. Auch was die Polizeiarbeit angeht, hat Lieneke Dijkzeul gut recherchiert. Die Verhöre werden unnachgiebig geführt, bis zur Grenze der Belastung des Tatverdächtigen. Dieser verbalen „Kriegserklärung“ gegenüber einem vermeintlichen Täter, zum Zwecke der Verbrechensaufklärung, widmet die Autorin viel Bedeutung. Die beiden Beamten sind nicht „cool“ sondern einfach nur genau bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. 
Dem Privatleben der beiden Inspecteure misst die Autorin gerade so viel Aufmerksamkeit, dass die beiden Personen vorstellbar werden. Ich empfehle sehr sorgfältiges Lesen. Denn Lieneke Dijkzeul versteht es glänzend, wichtige Informationen in kleine Anmerkungen zu „verpacken“.  

Mit In der Stille der Tod ist Lieneke Dijkzeul ohne Zweifel ein auf das Wesentliche reduzierter Krimi mit literarischem Anspruch gelungen. Dass ihr auch noch andere Themen wichtig sind, macht sie auf eindringliche Art und Weise deutlich.  

„Lieneke Dijkzeul hat bereits mehrere Romane veröffentlicht und gilt als eine der herausragenden Krimiautorinnen der Niederlande. Für Vor dem Regen kommt der Tod (dtv 214II) wurde sie für den „Goeden Stror“, die bedeutendste niederländische Krimi-Auszeichnung nominiert.“ So wird die Autorin im Klappentext beschrieben. Mehr erfährt der Leser auf ihrer Website www.lienekedijkzeul.nl

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