Meine Kommissare

Marc Ritter: Oberbayern

Josefibichl

Josefibichl

Garmisch-Partenkirchen ist Kreishauptort des Landkreises Garmisch-Partenkirchen sowie Zentrum des Werdenfelser Landes. Es ist ferner der Ort, der mir meine Traumstrecke nach Italien (über den Zirler Berg) ein wenig verleidet, weil ich mit zeitraubenden Staus rechnen muss. Und es ist der Ort, der in einer Reihe von Oberbayern-Krimis als Tatort gefragt ist.
Eigentlich müsste der zauberhafte kleine Ort seinen gerade einmal 26.000 Einwohnern allen Grund zur Zufriedenheit bieten. Und dennoch finden Krimi-Autoren mühelos und nachvollziehbar genügend Gründe für Mord und Totschlag. Mal ist der Föhn Schuld, mal sind es Uneinigkeiten über die Bewerbung als Austragungsort um die Olympischen Spiele 2018 oder einfach nur der Streit um Land und seine Besitzer.
Der Autor Marc Ritter, der hier aufwuchs, hat sich sehr eingehend mit seinen Landsleuten, ihren speziellen Eigenheiten, ihrer Geschichte und ihren Geschichten beschäftigt und ist zweifellos ein Kenner der Region Werdenfelser Land. Das wird bei jeder Zeile deutlich. Die Begeisterung für seine Heimat ist spürbar. Und, na ja, gemordet wird halt woanders auch. Allerdings sind dann keine Franziskanermönche Opfer. Das ist schon etwas Besonderes und sorgt im Ort nicht nur für Empörung sondern umgehend auch für Verdächtigungen.
Wer weitab vom regen Treiben im Tal einen ermordeten Mönch findet, ohne Zeugen links du rechts, vor über zwanzig Jahren das Auto des örtlichen Kaplans in Brand gesteckt hat und als gescheiterte Existenz gilt, hat nur einen sehr kleinen Freundeskreis und ist der ideale Schuldige. Unter dringendem Tatverdacht den jungen Bruder Engelbert stranguliert zu haben steht somit Karl-Heinz Hartinger, genannt Gonzo. Vor gerade einmal dreieinhalb Wochen kehrte er aus München, wo er als Polizeireporter gescheitert war, zurück in seinen Heimatort Garmisch-Partenkirchen. Brav meldete er den Fund des Bruder Engelbert dem Bernbacher Ludwig, früher sein Schulkamerad und heute Polizeichef, da wird Hartinger bereits am Telefon von seinem vormaligen Freund der Tat verdächtigt.
Die Reihe der Verdächtiger wird ständig länger. Außer der gesamten Polizeiinspektion des Ortes sind dies Bernd Schneider vom LKA, der Bürgermeister Hans Wilhelm Meier und natürlich alle, die sich gern der Meinung anschließen, weil sie dem Hartinger „so etwas“ zutrauen. Da bleibt dem Verdächtigten nichts anderes übrig, als auf eigene Faust zu ermitteln. Er besitzt kein Auto, verfügt nur über ein geliehenes Handy und viele Seiten lang nur einer Person vertrauen.  Aber Hartinger ist zwar mit gut hundert Kilo etwas übergewichtig, aber nicht unbeweglich. Weder in den Beinen noch im Kopf.
Der Leser reibt sich vergnügt die Hände, wenn das LKA in Person von Bernd Schneider oder die Polizeiinspektion in Person des Bernbacher Ludwig wieder mal seine Spur verlieren.
Der Fall muss gelöst werden, denn allmählich wird es eng für Hartinger. Nicht nur die Hüter des Gesetzes verfolgen ihn, auch der Bürgermeister als mächtiger Interessenvertreter (hauptsächlich seiner eigenen) und ein reicher Waldbesitzer (hat auch nur eigene Interessen im Kopf) sehen zunehmend ihre hoch gesteckten wirtschaftlichen Ziele gefährdet. Die Möglichkeit, die Olympischen Winterspiele 2018 nach Garmisch-Partenkirchen zu holen (wir schreiben das Jahr 2010) regt die Fantasie von Bürgermeister und Waldbesitzer in gewaltigem Maße an. Es scheint keine Grenzen zu geben.
Marc Ritter hat einen glaubwürdigen und sympathischen Protagonisten geschaffen, ohne ihn mit wohlmeinenden Attributen zu überhäufen. Die Geschichte liest sich flott und treibt den Leser an. Er will wissen, wie es weitergeht. Ein gelungener Einstand für Hartinger.
Josefibichel erschien Ende 2011 und ist der erste in der Reihe um den ehemaligen Polizeireporter Karl-Heinz Hartinger. Drei weitere sind bis heute erschienen, sämtlich bei Piper: Frauenmahd, Stieranger und Herrgottschrofen.
Der Piper Verlag schreibt dem Autor: „Marc Ritter, geboren 1967 in München, wuchs in Garmisch-Partenkirchen auf, wo er nach dem Abitur Zivildienst machte und für eine Garmisch-Partenkirchner Lokalzeitung über Politik, Sport und Nachtleben berichtete. Zum Studium von Germanistik, Politikwissenschaften und Werbepsychologie sowie einer Marketingausbildung kehrte er nach München zurück. Ritter arbeitete als Manager für große deutsche und amerikanische Print- und Online-Medien und ist seit mehreren Jahren als Unternehmensberater tätig. Er wohnt mit seiner Familie in München.“
Ich kann den Lesern noch den Besuch seiner Website www.marcritter.de empfehlen.

 

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