Meine Kommissare

Martina Kempff: Eifel

Umkehrschuss

Umkehrschuss

Ich bin Mitglied im Katja Klein-Fanclub. Ich mag diese etwas mollige, nicht so auf Äußerlichkeiten bedachte und stets hellwache Frau. Die stets an andere und für andere denkt und eigentlich ein großes Ziel anstrebt: In Ruhe mit ihrem Liebsten, dem belgischen Polizeiinspektor Marcel Langer, zu leben.
Das vermute ich zumindest.
Aber stimmt es wirklich?
Es klingt so zwischen den Zeilen und der Leser wünscht es ihr.
Nur gäbe es dann keine Geschichten mehr mit Katja und Marcel und die Kehr würde noch mehr vereinsamen.
Nein, das ist weder der wirkliche Wunsch von Katja noch der ihrer Leser.
Diese Unruhe, diese Quirligkeit, das geschäftige Hin und Herr zwischen Gasthaus und Wohnhaus, das ständige Verdächtigen und Vermuten und das langsame Weichkochen ihres Freundes, um an geheime Informationen zu gelangen. Das alles würde mir genauso fehlen wie der Betrieb ihres Restaurants Einkehr, einschließlich des gesamten Personals.
Denken wir also nicht länger über Veränderungen nach, sondern widmen uns dem achten Band um Katja Klein.
Ich habe alle Bände gelesen, man kann also schon von einer gewissen Vertrautheit zwischen der Hobby-Ermittlern und mir sprechen. Es ist schon spannend, das Älterwerden einer Protagonistin mitzuverfolgen. Martina Kempff ist es hervorragend gelungen, diesen Prozess für den Leser sichtbar zu machen. Alles andere wäre auch unglaubwürdig und, stellen Sie sich das bloß mal vor, wir hätten Bücher voller junger Heldinnen und Helden.
Nicht schön, oder?
Es wird langsam Zeit, dass ich mit meiner Rezension beginne.
Vorher, lieber Leser, müssen Sie sich aber mit der Karte von Kehr und Umgebung beschäftigen und die drei Seiten „KEHRseite für Einsteiger“ zu Beginn des Buches genau studieren. In dieser Einöde, in die man „normalerweise“ nicht hinkommt, geschehen seltsame Dinge. Mit schöner Regelmäßigkeit und stets in der Nähe der Einkehr und (fast) im Zuständigkeitsbereich des belgischen Polizeiinspektors Marcel Langer.
So auch in Umkehrschuss. Ein adrett gekleideter junger Mann von ansehnlichem Äußeren wird tot auf dem örtlichen Friedhof aufgefunden. Das kaum zu übersehende Loch in seiner Brust lässt nur einen Schluss zu: Er wurde ermordet. Es fehlt jeglicher Hinweis auf seine Identität. Die deutsche Polizei ist genauso hilflos wie die belgische. Kühne Behauptungen werden aufgestellt, wie „Der Mann sei wahrscheinlich als Agent eines feindlichen ausländischen Geheimdienstes undercover unterwegs gewesen.“
Die Nervosität unter der Belegschaft von Katjas Restaurant nimmt zu. Ein unscheinbarer Zettel wird gefunden und scheint ein erster greifbarer Hinweis zur Person des Ermordeten zu sein. Es kommt zu Verdächtigungen, weil sich ein junger Mann merkwürdig Verhält. Martina Kempff schreibt Regionalkrimis mit starkem Lokalkolorit. Sie erzählt dem Leser wie nebenbei fundiert über Land, Leute, Geschichte und Brauchtum. Sich diese kleine Ecke Deutschlands als Tatort auszusuchen, dazu gehört schon etwas. Ich kann das beurteilen. Ich war vor einigen Jahren dort, diesen Flecken musste ich mir ansehen.
Umkehrschuss erschien gerade, Ende September, 2017 bei KBV.

 

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