Meine Kommissare

Nicola Förg: Oberbayern

Rabenschwarze Beute

Rabenschwarze Beute

Immer schärfer, in jeglicher Hinsicht, werden die sogenannten Alpen-Krimis der Autorin. Wobei mir der Begriff Alpen-Krimi überhaupt nicht gefällt. Zu nett, zu lieb und zu harmlos. Denn Nicola Förg fährt zunehmend schwerere Geschütze auf. Gnade Gott dem, der mit seinen Machenschaften in ihre Schusslinie gerät.
Den macht sie nieder.
Recht so.
Ihre Waffe ist das Wort – und damit kann sie umgehen.
Bin ich nach Lektüre vieler Bände nun ein Weinzirl-Fan geworden oder liegen mir (meiner Natur entsprechend) Irmi, Kathi und Andrea näher? Keine Ahnung, ist auch unwichtig. Die vierte Dame in diesem Spiel, Nicola Förg, die schätze ich immer mehr.
Gründe?
Siehe oben.
Ein spannendes Thema hat sich die Autorin vorgenommen und mit viel Sorgfalt bearbeitet: Den Schutz der Vögel vor …, ja, was denn? Eigentlich müsste es jetzt heißen …vor dem, was der Mensch durch vorschnelles Handeln, aus Rücksichtslosigkeit usw. anrichtet. Gewaltige Glasfassaden, Windräder und sinnlose Knallerei (weil es immer wieder einen Grund zum lauten Feiern gibt) sind verantwortlich für den Tod unzähliger Vögel.
Kann man das verhindern?
Ja, kann man. Ein wenig nachdenken, sich mit der Problematik beschäftigen und Ratschläge Fachkundiger annehmen. Es geht nicht darum, Spielverderber zu sein oder zu allen Neuerungen nein zu sagen.
Liebe Krimileser, haben Sie Geduld, gleich geht es mit Mord und Totschlag weiter. Aber die Art und Weise, wie Nicola Förg ihre Leser auf Themen aufmerksam macht, die im Ranking der Tages-Themen stets auf weit abgeschlagenen Plätzen landen, ist erwähnens- und lobenswert.
Jetzt wird´s böse.
Silvester wird geknallt. Je lauter desto besser. Der Mensch geht raus, um besser zu hören, das Tier verkriecht sich nach drinnen, um nichts zu hören. Auch Markus Göldner steht auf seinem Balkon. Nach Feiern ist ihm nicht zu Mute. Er regt sich vielmehr über das offensichtlich übermäßige Knallen seines Nachbarn auf. Seine Aufregung ist nicht von langer Dauer – er fällt, zunächst ohne ersichtlichen Grund, tot vom Balkon. Nicht, weil er ungeschickt war, sondern weil er erschossen wurde.
So beginnt die Geschichte um die beiden Protagonistinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl. Und seit einiger Zeit darf Andrea nicht vergessen werden. Ihre Welt ist zwar „nur“ das Büro, aber ihre Mitarbeit wird immer wichtiger und immer mehr von Irmi und Kathi anerkannt.
Das ist aber nur der Auftakt. Die Autorin schleppt den Leser mit hinauf auf den Berg, wo er von Irmi, Kathi und dem ganzen Ermittlerteam empfangen wird. Der launige Ausflug, eine wohl eher spinnerte Idee des Chefs, entwickelt sich zur nächsten Eskalationsstufe.
Das reicht der Autorin aber noch nicht. Sie kann noch mehr und zeigt es ihrer Fan-Gemeinde. Das Tempo nimmt zu, die Figuren nehmen mitunter schrille Gestalt an, die Ermittlerinnen graben in der Vergangenheit und die Handlung steuert auf den befreienden Showdown zu. Die Autorin ist fertig. Der Leser auch.
Rabenschwarze Beute erschien genau am 1. März 2018 im Piper Verlag.

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