Meine Kommissare

Petros Markaris : Athen

Drei Grazien

Drei Grazien

Für die Bücher dieses Autors muss man sich bewusst Zeit nehmen und ganz genau lesen (ja, ich weiß, sollte man generell tun). Aber in den Fällen des Petros Markaris ist es besonders wichtig. Erstens gibt sich der Autor große Mühe, dem Leser „sein“ Land und seine Landsleute zu erklären und dann … diese Namen. Viele kleine Stolpersteine für Nicht-Griechen. Mein Tipp: Lesen Sie die Namen langsam und wehren Sie sich nicht gegen das Verstehen.
Im Mittelpunkt des im Juli 2018 bei Diogenes erschienenen Bandes steht wieder Kommissar Kostas Charitos. Ein liebenswerter Mensch, der ständig bemüht ist, das Gleichgewicht zwischen beruflichem Pflichtbewusstsein und familiärer Fürsorge einigermaßen gerecht herzustellen – und dem dies auch überwiegend gelingt.
Charitos ist kein Held, er ist ein Mensch wie viele andere. Er hat kleine Schwächen und große Stärken. Das wissen seine Familie, seine Mitarbeiter und seine Vorgesetzten zu schätzen. Er kann die kleinen Dinge genießen und strebt nicht nach Höherem. Man liest aus seiner Stimmung ein ordentliches Maß an Zufriedenheit. Mit diesem Protagonisten bringt uns der Autor das Land näher, das unter nicht enden wollenden Problemen und Unzulänglichkeiten leidet. Die Sorgen und Nöte der Bevölkerung schildert er mit Distanz. Er drängt dem Leser keine Bilder auf. Trotz angespannter Situationen im Alltag vernimmt man keine Klage. Er belässt es dabei, das Leben seiner Landsleute zu beschreiben - Punkt. 
Das Leben der Athener nutzt Petros Markaris in seinen Geschichten als Hintergrund. Dann setzt er mit kräftigen Strichen Akzente: Die eigentliche Handlung. Dabei hat er keine Eile, nichts muss bei ihm schnell gehen. Die Abläufe brauchen ihre Zeit. Hier ein persönliches Gespräch, dort ein Besuch vor Ort, Rücksprache mit Vorgesetzen, Treffen mit Kollegen. Der Leser verfolgt Charitos auf Schritt und Tritt. Erkenntnisse kommen nicht überfallartig, überraschend ja, aber immer nachvollziehbar. Die Mühsal der Kleinarbeit wird deutlich. Dankbar ist der Leser für die Erzählung in der Ich-Form. Dadurch ist er noch näher am Ermittler und am Geschehen.
Lieber Leser, ich verzichte bewußt auf Hinweise zum Inhalt. Darüber informiert Sie bereits der Bucheinband. Ich würde also nur etwas wiederholen und bei mehr Informationen etwas vorwegnehmen. Das möchte ich nicht.
Die Geschichten von Petros Markaris sind „griechische“ Geschichten. Sie kann es nur dort geben. Woanders wären diese Handlungen kaum oder gar nicht vorstellbar.
Für mich gehört dieser Autor zum festen Repertoire meiner Krimiwelt.  

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