Meine Kommissare

Petros Markaris : Athen

Faule Kredite

Faule Kredite

Der Autor weiß sehr wohl, worüber er schreibt, das zeigen seine 2011 und 2012 erschienenen Krimis, die sich sämtlich mit den Auswirkungen der Griechenland-Krise beschäftigen: Faule Kredite, Finstere Zeiten und Zahltag. Seine öffentlichen Auftritte im Fernsehen und im Radio sowie ein Beitrag im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen vom 12. November 2011 beweisen seine Kenntnis und sein Engagement. Dabei macht er sich nicht zum Sprachrohr seiner Landsleute, sondern hält ihnen vielmehr schonungslos den Spiegel vor. 
Er schildert die Sorgen und Nöte der sogenannten kleinen Leute, zu denen auch Kommissar Kostas Charitos und seine Familie gehören. 
Die Informationen und Details sind handfest und manchmal schmerzlich. Doch niemals mitleiderregend. Diesen letzten Schritt zum Mitleid erspart der Autor dem Leser. Schließlich geht es bei einem guten Krimi vordringlich um das Aufklären eines Verbrechens – üblicherweise eines Mordes. Die Betonung der aktuellen Geschehnisse verhelfen Faule Kredite zu dem Schwung, den ich in den ersten beiden Bänden, die 2000 und 2001 in Deutschland erschienen, vermisst habe. Mein erneuter Anlauf hat sich gelohnt: Die Krimis haben mehr Farbe bekommen. Auch ist die Sprache von Petros Markaris verbindlicher geworden. Bei einem Herrn dieses Alters von einem inzwischen vollzogenen Reifeprozess zu sprechen, steht mir nicht zu. Aber wer den Umgang des Protagonisten zu seinen Mitmenschen in Band eins und Band sieben vergleicht, muss eigentlich auch zu diesem Schluss kommen.
Kostas Charitos ist kein Held. Er hat es in unbeirrbarer Kleinarbeit bis zum Leiter des Morddezernates im Bezirk Attika geschafft. Er ist ganz normaler Beamter, Kollege, Untergebener, Ehemann und Vater einer erwachsenen Tochter. 
Langweilig? Keine Spur. 
Der Kommissar ermittelt unbeirrt, auch wenn er mal in ein politisches Fettnäpfchen zu treten droht. Er weiß, wann er seinen Vorgesetzten lieber nicht über den Stand der Ermittlungen informiert. 
Merken kann ich mir noch die Namen seiner beiden Assistenten Vlassopoulos und Dermitsakis. Dann ist Schluss und ich muss durch Zurückblättern klären, wer denn noch mal Herr Sissimopoulos oder Frau Sgouridou war.

 

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