Meine Kommissare

Joachim Rangnick: Allgäu

Der Ahnhof

Der Ahnhof

Der Autor, geboren 1947, ist studierter Grafiker, arbeitete viele Jahre als Produktmanager für Gesellschaftsspiele und hat sich inzwischen aufs Schreiben verlegt. Er lebt in Weingarten bei Ravensburg.
Die Schwäbische Zeitung schreibt zu Bauernfänger, einem 2004 erschienenen Kriminalroman aus dem Allgäu: „Walcher kann durchaus neben den Wallanders, Brunettis und Montalbanos der Kriminalliteratur bestehen. Als Cousin aus dem Allgäu“.
Was soll das denn heißen?
Ermittler ist Robert Walcher, ein Investigativ-Journalist, der von seinem Allgäuer Wohnsitz aus recherchiert; und zwar zusammen mit Kriminalhauptkommissar Brunner. Walcher ermittelt weder besser noch weniger gut als Wallander, Brunetti oder Montalbano – er ermittelt anders.
Joachim Rangnick beeindruckt mich zuerst durch die Sprachgenauigkeit. Bei der Beschreibung einzelner Szenen geht er ins Detail, ohne ins Belanglose auszuufern. Diese Genauigkeit ist dem Autor wichtig und der Leser hat davon den Nutzen.
Der 2010 erschienene Band Der Ahnhof ist eine Mischung aus Familiensage, Legende und Realität, eine Geschichte, die 1902 anfängt und heute endet.
Familiensagen aus dem Allgäu waren noch nie lustige Geschichten. So auch hier. Hohe Berge, schwere Arbeit, arme Leute und düstere Zukunft. Kein Stoff zum träumen.
Der Autor hilft dem Leser ganz geschickt, in dem er den Part Sage und Legende Walchers Haushälterin Mathilde zuordnet und dem Journalisten das Feld der Realität überlässt.
Doch wo hört in diesem Buch Legende auf und wo fängt Realität an? Rangnick zaubert eine leicht morbide, aber zugleich märchenhafte Stimmung, zieht hier den Leser runter und macht ihm bald darauf Hoffnung. 
Für mich hat dieses Buch mehr verdient als die dürftigen Zeilen, die List Taschenbuch dem Autor zugesteht.
Wem bloße Familiensagen zu weichgespült sind, weil er mehr Spannung benötigt und wem Anspruch an die Sprache wichtig ist, dem gilt meine Empfehlung. Und damit er auch weiß, dass er am Ende in der Realität angekommen ist, wird er mit einem herzhaften Show-down verwöhnt. 
Der Vollständigkeit halber merke ich an, dass der Autor im J. Rangnick Verlag den Investigativ-Journalisten Walcher in sechs Bänden mit jeweils einer großen Frage dieser Welt konfrontiert. Starterhäuschen für seine Abenteuer ist sein heimeliges Zuhause im Allgäu, das ihm den nötigen und häufig genug notwendigen Rückhalt für seine nie ganz ungefährliche Arbeit verschafft und mich ab und zu ein ganz klein wenig neidisch werden lässt. Sein Freund, Kriminalhauptkommissar Brunner, vertritt dabei das Gesetz und sorgt dafür, dass nichts aus dem Ruder läuft.
Die Sprache ist klar und deutlich. Wo andere sprachlich draufhauen, spürt man bei Rangnick die Kraft der Worte. Das gilt für alle Bücher.
Die Zentralfigur Robert Walcher schätzt die Harmonie im Familienleben. Er lebt zwar ein etwas anderes, aber ein sehr liebevolles.
Die Spannung in all seinen Büchern, zumindest die ich gelesen habe, entsteht durch den Wechsel von hart und weich. Hart steht für das Erlebte, womit er seinen Lebensunterhalt verdient und weich natürlich für Familie und Freunde.
Für Krimifreunde, die es gern ein wenig härter mögen: ganz nah am Thriller.
Erschienen sind seit 2004 in der Robert Walcher-Reihe insgesamt neun Krimis. Das Prädikat „Ein Allgäu-Krimi“ findet der Leser nur bei Der Ahnhof und Winterstarre.
Die übrigen sieben sind als Krimis im klassischen Sinn zu sehen. Jedes Buch mit einer aktuellen Thematik. Allen Bänden gemeinsam sind  aber die Figuren des Robert Walcher, Investigativ-Journalist und Kriminalhauptkommissar Brunner, die stets gemeinsam dem Bösen auf der Spur sind.
Die ersten sechs Bände erschienen  im J. Rangnick Verlag, die übrigen bei List Taschenbuch, zu finden unter Ullstein Buchverlage.

 

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