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Rosemarie Bus: Oberbayern

Eisige Engel

Eisige Engel

„Ein berühmter Gynäkologe“, „Ein Spezialist für künstliche Befruchtung“, Der Sperminator aus Bayrischzell“. Das alles war Professor Doktor Jakob Cäsar. Jetzt ist er all das nicht mehr. Denn der berühmte Reproduktionsmediziner ist tot. Der Fundort der Leiche ist spektakulär genug, um dem Ruf des Ermordeten zumindest ein wenig gerecht zu werden. Denn an einem Mord besteht kein Zweifel: das um seinen Hals gezurrte dicke gelbe Kunststoffseil ist eindeutig die Tatwaffe.
Warum er? Warum überhaupt? Und: warum hier? Das alles sind Fragen, um deren Klärung sich die gerade aus der Elternteilzeit zurückgekehrte Hauptkommissarin Joe (eigentlich Josefa) Lautenschlager aus Schliersee und ihr Münchner Kollege, Hauptkommissar Volker Storz, kümmern müssen. Den Machtanspruch in diesem Duo hat Volker Storz, die Führung übernimmt überwiegend sein weibliches Pendant. Verstärkung erhält Joe von ihrer Freundin Stella Felix, einer Journalistin. Denn die hatte mal zu Lebzeiten des Professors mit ihm zu tun. Und zwar nicht nur auf beruflicher Ebene.
Die Geschichte um den ermordeten Spezialisten für assistierte Insemination, also für künstliche Samenübertragung, beginnt eigentlich viel früher. Als nämlich Stella von ihrer sehr viel vermögenderen Freundin Linda beauftragt wird, den Vater ihres Kindes ausfindig zu machen. Denn den kennt sie nicht, das war ein Samenspender.
Und so bittet sie Stella “Ich muss den Vater meines Kindes wenigstens kennenlernen. Vielleicht kann ich mit seiner Hilfe eine Beziehung zu dem Kind aufbauen.“
Das ist das „große“ Thema des Buches. Der unbändige Wunsch der Mutter Gewissheit über die Person des Spenders (und aus Sicht des Kindes: des Vaters) zu erlangen.
Rosemarie Bus wagt sich mit Eisige Engel an einen Themenkomplex (denn das Thema ist wahrlich sehr komplex), der zwar bekannt ist, aber von der Allgemeinheit nicht in dem Maße wahrgenommen wird, wie er die Betroffenen beschäftigt.
Die Autorin verpackt die Geschichte um „den Beglücker aller Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch“ höchst geschickt, gekonnt und einfallsreich in einen anspruchsvollen Krimi mit einer Prise Gesellschaftsklatsch, was diesem Buch aber sehr gut ansteht.
Besondere Anerkennung gebührt Rosemarie Bus für die Fülle an Formulierungen und Beschreibungen, die dem Buch einen hohen Anspruch an Klasse verleihen. Auch wer nur Freude an der deutschen Sprache hat, wird Eisige Engel mit Vergnügen lesen.
Lieber Leser: Dies ist ein echter Krimi, sogar ein Regionalkrimi. Er ist launig und (!) spannend.
Leider konnte ich der Vita der Autorin keinen Hinweis entnehmen, der zum Thema des Buches passt. Im Klappentext und auch auf ihrer Website www. Rosemariebus.com fand ich nur diese Zeilen: „Rosemarie Bus, geboren in der Pfalz, hat als Journalistin bei diversen Zeitschriften gearbeitet. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin am Schliersee in Oberbayern.
Eisige Engel erschien im Oktober 2016 bei dtv. 

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