Meine Kommissare

Tim Erzberg: Schleswig-Holstein

Tim Erzberg - Hell-Go-Land

Tim Erzberg - Hell-Go-Land

Polizist zu sein auf Helgoland. Das klingt verlockend. Die Möglichkeiten, gegen Recht und Gesetz zu verstoßen, sind überschaubar. Mangels Autoverkehr scheiden Verkehrsdelikte schon mal aus. Die Auswahl an Fluchtmöglichkeiten nach Begehen einer Straftat, ist sehr gering. Mit Ausnahme der Touristen kennt hier jeder jeden.
Derselben Meinung ist auch Marten, als er auf Annas diesbezügliche Frage so reagiert: Wenn hier mal was passiert?“ „Hier passiert nichts. Das weißt du doch, Anna. Helgoland ist so aufregend wie ein toter Fisch im Watt.“
Anna Krüger wird auf Helgoland die stellvertretende Leitung der Polizeidienststelle Helgoland angeboten. Sie verlässt Hamburg und kehrt an den Ort zurück, an dem sie aufgewachsen ist und mit dem sie unschöne Erinnerungen verbinden. Marten, genauer Polizeiobermeisteranwärter Marten David Weber war zwei Klassen unter ihr zur Schule gegangen. Ihr Vorgesetzter und zugleich Dienststellenleiter ist der ungewöhnlich große und ungewöhnlich gut aussehende Paul Freitag.
Vom ersten Tag heißen die drei: Anna, Paul und Marten.
Die Dienststellen-Idylle wird schlagartig unterbrochen, als zwei Ereignisse fast zur gleichen Zeit eintreten: Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage einen Orkan voraus, der für Gemeindeverwaltung und Polizei Grund genug ist, Ausgangssperre zu verhängen. Und außerdem erhält Anna auf anonymem Wege ein Päckchen, dessen ungewöhnlicher Inhalt erste dunkle Ahnungen in ihr aufsteigen lassen, was sie auf der Insel erwartet und die drei Polizisten zum Handeln zwingen.
Dass sich die drei nur in einer Polizeistation befinden, stellt Paul in wenigen Sätzen fest:“ Das ist hier eine Dorfpolizei, kein Morddezernat. So was ermitteln wir hier praktisch nie. Uns fehlt auch völlig die technische Ausrüstung.“
Der anhaltende Orkan, die fehlende Verbindung zum Festland und weitere Hinweise auf ein mögliches Verbrechen, zwingen Anna, Paul und Marten, selbst Ermittlungen anzustellen und erste Theorien zu entwickeln.
Der Druck auf die drei nimmt spürbar zu. Aus anfänglicher Hilflosigkeit entsteht allmählich so etwas wie eine erzwungene Ordnung und selbst auferlegte Disziplin. Am meisten leidet Anna, die zunehmend an ihre Vergangenheit erinnert wird, wegen der sie damals Insel und Elternhaus verlassen hatte.
Der Leser will gleichfall ermitteln und Polizei spielen. Doch das Spielfeld ist zu groß. Tim Erzberg liefert ihm auf fast vierhundert Seiten genügend Stoff zum Nachdenken und zum Aufstellen eigener Theorien, doch mehr als eine Ahnung kommt dabei nicht heraus.
Ein kleiner Tatort, aber ein großer Thriller. Der Autor hat bewusst auf „Inselstimmung“ und "Inselflair" verzichtet. Das ist der Handlung gut bekommen. Eine spannende Geschichte auf kleinem Raum mit einer gut gezeichneten Protagonistin: Anna.
Hell-Go-Land ist der erste eigene Thriller des Autors, hinter dem sich Thomas Montasser verbirgt.
Zu seiner Person fand ich unter perlentaucher.de diese Informationen: „Thomas Montasser, geboren 1966, studierte Rechtswissenschaften. 1990 gründete er zusammen mit seiner Frau Mariam Montasser die Montasser Medienagentur. Von 2002-2007 war er Geschäftsführer der Publishers Headhunt Personalberatungsagentur für Verlage GmbH. Heute ist er außerdem Verlagsberater für Programm- und Strategiefragen. Montasser hat zahlreiche Romane, Sach- und Kinderbücher veröffentlicht.“

 

 

 

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