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Tom Wolf: Brandenburg

Märkisches Blut

Märkisches Blut

Zuletzt hatte ich von diesem Autor Feuersetzen gelesen, ein historischer Krimi, mit dem Tatort Goslar.  
Und jetzt hat derselbe Tom Wolf Märkisches Blut geschrieben. Beide Kriminalromane, die Betonung liegt hierbei auf „Romane“ zeichnen sich durch Detailtreue und originelle Charaktere der Protagonisten aus. Mit diesen beiden Büchern zeigt der Autor zugleich die Bandbreite seiner Möglichkeiten.  
Mit dem kleinen Ort Waterloo, von dem Namen einmal abgesehen, hat sich Tom Wolf wahrlich keinen spektakulären Tatort ausgesucht, dazu gehört schon eine gehörige Portion Mut. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Mut wird belohnt. Märkisches Blut ist ein gelungener Heimatkrimi, der deutliche Hinweise auf die Vielfalt möglicher deutscher Tatorte enthält.  
Zur Einstimmung zitiere ich aus der Website des Autors: „Dieses Buch, ein literarischer Kriminalroman, spielt in einem (fast) realen bundesdeutschen Landkreis - der Prignitz. Für alle, die nicht wissen, wo die Prignitz liegt: Es ist die Nordwestspitze der "kleinen DDR" - des früheren Bezirks Potsdam, bzw. des neuen Landes Brandenburg (nicht zu verwechseln mit der Stadt Brandenburg).“  
Der Tatort Waterloo, eine 85-Seelen-Gemeinde, liegt wenige Kilometer nördlich von Wittenberge (an der Elbe). Es lohnt sich, mit Hilfe einiger Suchbegriffe zu recherchieren – ja, es tut auch eine Landkarte im vernünftigen Maßstab.
Tom Wolf betont in diesem Buch sehr stark das Regionale. Dieses Thema liegt ihm am Herzen und er versteht es, den Leser neugierig zu machen (bei mir hat er es jedenfalls geschafft). Allerding greift der Autor bei der Beschreibung der Landschaft gehörig in die Trickkiste, was man ihm keineswegs verübeln sollte: Er lässt den Protagonisten einen dunkelbraunen 1971er Mustang fahren. Die Beschreibung der Fahrten erhöht die Aufmerksamkeit.
Protagonist ist Leo Pauluth, fünfundsechzig, Polizeihauptmeister a.D. und früher Revierpolizist für Karstedt (Nachbarort von Waterloo).
Der Ruheständler kann das Ermitteln nicht lassen – er ist ein sympathisches Schlitzohr und er nutzt jede Gelegenheit und Möglichkeit bei der Aufklärung zweier mysteriöser Todesfälle im Herrenhaus der kleinen Prignitz-Gemeinde Waterloo.
Zusammen mit Markus Nikolai, einem jungen und sehr ehrgeizigen Journalisten der PRAZ, ermittelt und befragt er, was das Zeug hält. Befragt werden nicht nur brave Bürger, sondern auch Angehörige des Adels. Und damit öffnet Tom Wolf für den Leser eine weitere Tür. Er macht ihn vertraut mit der Geschichte adeliger Großgrundbesitzer in der DDR.
Natürlich ist der Inhalt der Geschichte frei erfunden. Wer sich aber mit der Geschichte dieses kleinen Ortes Waterloo und des alten, erloschenen, mecklenburgisch-brandenburgischen Adelsgeschlechts Priegnitz bzw. Prignitz beschäftigt, entdeckt verblüffende Parallelen. Dahinter steckt viel deutsche Geschichte und somit durchaus Wissenswertes.
Trotz einer starken Betonung der Region und vieler Seiten über Adel und Schlösser ist Märkisches Blut ein Kriminalroman. Der Autor schreibt mitunter ausgesprochen launig und bietet dem Leser damit auf gelungene Art und Weise „Lockerungsübungen“ zwischen notwendigem Wissen zur Kultur.
Märkisches Blut erschien 2014 bei emons:.

 

 

 

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