Meine Kommissare

Uli Aechtner: Hessen

Mordswetter

Mordswetter

Uli Aechtner hat sich in Mordswetter (der Leser ahnt es schon) für das Thema „Wetter“ entschieden.
Wetter? Ein Dauerthema. Das uns täglich neue Rätsel aufgibt. Barometer, Thermometer, Regenradar und Wetter-App, diese Begriffe haben sich vermehrt in unseren Sprachgebrauch eingenistet – liefern aber sämtlich keine Erklärung für eine auf den Kopf gestellte Wetterlage im Gegensatz zur Vorhersage.
Und trotzdem sitzen wir Abend für Abend gebannt vor der „Kiste“ und hören den Vorhersagen der Experten zu.
Selten so gelacht.
Ich vertraue da lieber auf die Lebenserfahrung. Zwei Bauern lagen bislang mit ihrer Auskunft richtig. Als Radfahrer in ländlichen Regionen bin ich schon auf verlässliche Information bedacht, wenn ich nicht gerade bei strahlend blauem Himmel starte. So erging es mir, als ich in Venetien (östlich des Gardasees), bei bedenklich bedecktem Himmel einen Landwirt fragte, ob heute noch mit Regen zu rechnen sei: Ein prüfender Blick zum Himmel und dann: „Oggi non c´è  pioggia“ (kein Regen heute). Keine lange Begründung, basta. Er hatte Recht. Bereits einige Jahre vorher sagte mir ein Kollege von ihm einsetzenden Regen in etwa einer Stunde voraus. Ich hatte ihn angesprochen, weil mich plötzlich aufkommender Wind misstrauisch werden ließ, und wer die Region Gardasee kennt, weiß, dass hier eine „eigene Wetterlage“ herrschen kann. Eine Stunde später waren die Straßen nass.
In Mordswetter spricht die Autorin allerdings nicht vom Regen. Hier spielen Gewitter eine entscheidende und tödliche (?) Rolle.
Und da bis auf den Gewitterfotografen Maik Herres keiner der Beteiligten über fundierte Kenntnisse von Blitz und Donner verfügt, herrscht auf allen Gesichtern Ratlosigkeit. Eines kann ich jetzt schon verraten, liebe Leser: Es bleibt nicht nur bei Blitz und Donner. Protagonist des Buches ist Hauptkommissar Christian Bär vom K11 der Kripo Frankfurt, der auch schon in Todesrauscher viel Sympathiepunkte sammeln konnte, ebenso wie Roberta Hennig, die beständig die Wege des Kommissars kreuzt und im Gefühlsleben des Singles viel Unruhe stiftet. Aber wie das so ist, wenn keiner/keine eine klare Botschaft sendet, dann wird das mit der ersehnten Zweisamkeit so schnell nichts.
Und in Mordswetter hat Bärs Problem noch dazu einen Namen: Maik Herres. Der Gewitterfotograf, von dem „seine“ Roberta so schwer begeistert ist. Mit der Folge, dass der Abstand Bär – Roberta wieder einmal größer wird. Bär hat aber noch einen weiteren Grund, sorgenvoll auf die anbahnende Liaison Roberta – Maik zu schauen. Und den werde ich Ihnen nicht verraten. Das müssen Sie selber lesen. Uli Aechtner bietet dem Leser neben der Geschichte um die Aufklärung eines Mordes, scheinbar als „Extra“, Einblicke in Gefühlswelten, die sprachlos und zornig machen. Und während ich noch mit den Schicksalen anderer hadere, werde ich zum hilflosen Zuschauer eines raffinierten Showdown.
Mehr Krimi geht nicht.
Mordswetter erschien im August 2017 und, wie ihre vorangegangenen Krimis auch, bei emons:.

 

 

 

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