Meine Kommissare

Wolfgang Pesec: Österreich

Maronizeit

Maronizeit

Eigentlich logisch, nach Schwammerlsaison folgt zwangsläufig Maronizeit.
Diese Maroni sind mir genauso gut bekommen wie die vorangegangenen Schwammerl. Äußerst bekömmlich, liegen auch beim Genuss größerer Mengen nicht schwer im Magen und brauchen keinen Vergleich zu scheuen.
Dieser Wolfgang Pesec versteht sein Handwerk. Ein gewiefter Krimischreiber, ein Menschenversteher (so, wie er seine Landsleute beschreibt), aufs engste verbunden mit der Region (Graz und Umgebung sind mir jetzt vertraut) und ein Mann mit Liebe und Verständnis für die deutsche Sprache. Was Wolfgang Pesec aus der deutschen Sprache „herausholt“ (mir fällt dazu keine treffendere Beschreibung ein), das ist mehr als anerkennenswert. Und dabei vergisst er nicht einen Moment seine österreichischen (Sprach)Wurzeln. Ich lese Begriffe und Beschreibungen, die in unserem Sprachschatz überhaupt nicht vorkommen.
Vorgewarnt durch die Lektüre von Schwammerlsaison wußte ich, wie der Autor seine Leser in die Handlung lockt. Da ich vornehmlich im Bett lese (nicht nur vor dem Schlafen, sondern mit Vorliebe auch nachts und gleich morgens), beziehe ich zwangsläufig auch meine Frau in das Leseerlebnis mit ein: Ich gluckse, wisch´ mir die Augen, das Bett bewegt sich. In ihren Augen sehe ich ein großes Fragezeichen? Entschuldigung, ich lese Pesec.
Wie man unter Nicht-Beschäftigung leiden kann, zeigt Oberst Draxler, Leiter der Mordkommission im Grazer Bezirk Straßgang seinen beiden Untergebenen sehr deutlich. Dem Major Georg Spazierer und der Planstellenaspirantin Hilde Ranner. Überall in Europa wird gemordet, soweit das Auge reicht. „Sogar in Liechtenstein zerstückelt irgend so ein Verrückter Menschen. Nur das neutrale Österreich hält sich vornehm zurück.“ Das macht den Oberst nervös.
Das Auffinden eines Toten, genauer gesagt des Steirer Johann, im Maroniofen gibt ersten Anlass zur Hoffnung auf mehr Bewegung in den polizeilichen Amtsstuben. Es könnte allerdings auch „Herzinfarkt oder Schlaganfall an einer saublöden Stelle“ sein. Der Anruf des Reininger Sepp gibt Anlass zur Hoffnung für die unterbeschäftigte Dienststelle.
Allerding gibt der Fund des Toten gleichzeitig jede Menge Rätsel auf und bietet trotz emsigen Bemühens keinen noch so winzigen Lösungsansatz. 
Maronizeit spielt in zwei Zeitebenen. Ich empfehle dem Leser dringend, auch der, sagen wir mal zweiten Geschichte, genügend Aufmerksamkeit zu widmen. Denn die Entwicklung nimmt einen überraschenden Verlauf. Überraschend, nicht unlogisch. Der Autor hält auch für den erfahrenen Krimileser eine bemerkenswerte Geschichte parat.
Sie werden staunen.
Mehr an dieser Stelle und ich würde zu viel verraten.
Das Buch erschien im August 2017 und, wie bereits Schwammerlsaison, bei emons:. 

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