Meine Kommissare

Wolfgang Schorlau: Thüringen

Die schützende Hand

Die schützende Hand

Seit dem 6. Mai 2013 findet in München vor dem 6. Strafsenat des Oberlandesgerichts München, der auch als Staatsschutzsenat bezeichnet wird, der NSU-Prozess statt. Diese Bezeichnung trägt das Gerichtsverfahren gegen mehrere Personen, die in Verbindung mit dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) - einer rechtsextremen terroristischen Vereinigung in Deutschland – gebracht werden. 
Ich gebe zu, dass mein anfängliches Interesse am Prozessverlauf zunehmend erlahmte. Denn der ausschließlich an wirklich neuen Erkenntnissen interessierte Leser wird durch die Querelen um die Person der Angeklagten und ihre bemerkenswerte Anzahl von Verteidigern abgelenkt und ermüdet. 
Deshalb habe ich Wolfgang Schorlaus Krimi Die schützende Hand mit leichter Skepsis betrachtet. Wenn der Autor aber die Figur seines Privatermittlers Georg Denger genau zu diesem Thema ermitteln lässt, muss er wohl seine Gründe gehabt haben. Worum es geht, macht Wolfgang Schorlau in seinem Untertitel deutlich: „Dengler ermittelt in Sachen NSU – die Anatomie eines Staatsverbrechens“. 
Neugierig war ich schon. Ist das eher ein Sachbuch oder doch ein Krimi? 
Nach wenigen Seiten war ich sicher, ganz sicher. Es ist ein Krimi, es ist ein Standardwerk zum Thema NSU-Prozess und es ist das Ergebnis sorgfältiger und sorgsam durchgeführter Recherchen zu Themen, die uns während der vergangenen Jahre latent, während der letzten Monate aber intensiv beschäftigen (sollten). 
Der Autor schafft es, den Leser mitzureißen, indem er ihn während seiner Recherchen und Befragungen zuschauen und zuhören lässt. Gut verpackt in eine verbindende Geschichte. 
Was Wolfgang Schorlau vorträgt ist erschreckend. Es ist eine sehr ernst gemeinte Aufforderung an den an Politik und Tagesgeschehen interessierten Leser, sich spätestens jetzt ernsthaft mit der Arbeit des Bundeskriminalamtes und des Verfassungsschutzes, einschließlich der nachgeordneten Behörden, zu beschäftigen. Das Netz bietet hierzu viele und verlässliche Möglichkeiten. 
Der Privatermittler taucht tief in das Netz von Neonazis und Verfassungsschutz ein. 
Ich tue es nur ungern, weil es meiner Art einer Rezension eigentlich widerspricht, aber in diesem Fall zitiere ich aus dem Klappentext des gerade (November 2015) bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buches:
Die schützende Hand ist eine literarische Ermittlung im größten Kriminalfall der Nachkriegsgeschichte. Gestützt auf die internen Unterlagen der Ermittler stellt Wolfgang Schorlau die entscheidenden Fragen. Die Ergebnisse seiner Recherche zu den Manipulationen der Staatsschutzbehörden sind spektakulär.“
Dem Klappentext habe ich auch diese Information zum Autor entnommen:
„Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den sieben „Denger“-Krimis Die blaue Liste (KiWi870), Das dunkle Schweigen (KiWi918), Fremde Wasser (KiWi964), Brennende Kälte (KiWi1026), Das München-Komplott (KiWi1114), Die letzte Flucht (Kiwi1239) und Am zwölften Tag (Kiwi1337) hat er die Romane Sommer am Bosporus (Kiwi844) und Rebellen (Kiwi1399) veröffentlicht und den Band Stuttgart 21. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis und 2012 mit dem Stuttgarter Krimipreis ausgezeichnet.“  

 

 

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